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Josef Sopper: Keine Tränen für den Planet

Symbolbild
Josef Sopper: Keine Träne für den PlanetReuters
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Szene-Chef Josef "Muff" Sopper lässt heimische Musiker wieder beim Austrian Band Contest gegeneinander antreten. Ein Gespräch über Bands, Geld und Simmering.

Über ein Vierteljahrhundert gibt es den Austrian Band Contest nun schon - wessen Interessen standen anfangs im Vordergrund? Was wollte man erreichen? Ist es gelungen?

Josef Sopper: Ziel war und ist es, möglichst viele Auftritte für heimische Bands zu organisieren - das ist in den 26 Jahren mit allein 8500 Auftritten heimischer Bands nachhaltig gelungen.

Welche Teilnehmer sind ihnen persönlich im Gedächtnis geblieben?

Hervorheben will ich die ABC-Sieger 2001, die Metalband Boon, die letztes Jahr dreimal die Superstars AC/DC vor insgesamt mehr als 200.000 Fans erfolgreich supporten durften. Die letzten beiden Champions Marrok und Mandatory sind ebenfalls auf dem besten Weg zum Erfolg.

Von außen betrachtet wirkt der ABC immer sehr rocklastig, gibt es Pläne, den Bewerb für andere Musikstile attraktiver zu machen?

Ca. 60 Prozent der teilnehmenden Bands sind dem Rocklager zuzuordnen - das entspricht auch dem österreichweiten Durchschnitt. Elektronik wird zumeist im stillen Kämmerlein fabriziert, aber Hip Hop, Reggae/Ragga sowie Funk-Acts haben sich in den letzten Jahren ebenfalls in den Vordergrund gespielt. Für das Finale 2012 ist auch ein Finale verschiedenster Stilrichtungen zu erwarten.

Welche Rolle spielen ihre eigenen Erfahrungen als Musiker bei ihrem Engagement in der österreichischen Musikkultur?

Meine Erfahrungen als Musiker (ab meinem 8. Lebensjahr auf Bühnen und in Tonstudios) sind bis heute mein Antrieb, den nächsten Generationen an jungen Musikern mehr Chancen, mehr Auftrittsmöglichkeiten, besseren technischen und organisatorischen Support sowie besseres Catering als ich zu meiner aktiven Zeit hatte, zu ermöglichen.

Sind Sie als Veranstalter mit dem österreichischen Musiknachwuchs zufrieden?

In den letzten Jahren konnte ich beim International Live Award (dem ABC übergeordnet) den direkten Vergleich zwischen heimischen Bands und Gruppen aus fünf weiteren Ländern ziehen. Eines ist sicher: der österreichische Musiknachwuchs steht dem der anderen Länder in nichts nach, im Gegenteil: aus unserem Land kommen immer wieder kreative, innovative und hochbegabte Musikgruppen. Ich sorge dafür, dass man sie dann am Abend im Scheinwerferlicht auf den Bühnen entdecken kann.

Wirken sich die wirtschaftlich trüben Zeiten auch auf die Dimensionen des Contests aus?

Bands und Zuschauer wird es immer genug geben, Sponsoren kann es nie genug geben. Mein Team ist mit großem Einsatz bei der Sache und mit Opel haben wir ab 2012 auch einen namhaften Hauptsponsor gefunden.

Woran scheiterte der Kulturaustausch im Gewand des International Live Awards heuer?

Wir mussten den ILA in der laufenden Saison aussetzen, da das Budget der Vereinigten Österreichischen Musikförderer vom Kulturamt der Stadt Wien um mehr fast 20 Prozent gekürzt wurde, und zwar einen Tag vor Jahresbeginn 2011. Wir arbeiten daran, ab der Saison 2012/13 mithilfe neuer internationaler Sponsoren aus der Wirtschaft den Gedanken des länderübergreifenden in neuer, attraktiver Form wieder aufleben zu lassen. Gespräche mit Partnern in 5 Nachbarländern Österreichs sind am Laufen.

„The Voice of Germany", Sidos „Ghettostars", die „Helden" des ORF - es wirkt oft so, als entstünden Musikerkarrieren mittlerweile in den Backstuben des Rundfunks. Jedenfalls sind öffentliche Castings in allen Kanälen, der ABC fristet vergleichsweise ein eher leises Dasein. Was macht ihn unpopulär?

VÖM ist nicht ORF, Ö3 oder RTL und will das auch gar nicht sein müssen. Wir bewegen uns mit dem ABC dort sehr gut, wo wir echte Live-Musik auf echten Live-Bühnen anbieten - wenn beim Finale im Wiener Prater beim Maifest über 10.000 Fans um die Wette springen, tanzen und jubeln, dann würde ich nicht von einem leisen Dasein sprechen.

Hat der Bewerb einen pädagogischen Ansatz? Um was geht es ihnen?

VÖM wird die Musiker niemals belehren, steht ihnen aber jederzeit mit Rat und Tat professionell zur Seite. Allein durch den direkten Draht der Musiker zu den jeweiligen Juroren (Produzenten, Journalisten, Studiobesitzer) sind schon viele Fortschritte in Karrieren entstanden. Learning by doing.

Mit dem Umzug aus dem Planet in Gasometer und Szene Wien mussten sie einen Mittelweg zwischen Rockermilieu und linksintellektuellem Studentenprogramm - mit Fokus auf Nachwuchsförderung und Weltmusik - finden, ist ihnen das gelungen?

Das Rockermilieu ist ein alter Running Gag aus Zeiten, als unser Veranstaltungszentrum noch Rockhaus hieß. Dieses Milieu gibt es nicht mehr. Was es immer noch gibt, ist gute Rockmusik in ihrer ganzen Vielfalt, in der Stadthalle, im Stadion, im Gasometer. Und Bands aus dem alternative- / independent- /electronic-Bereich fühlen sich sich in der Szene ebenso wohl wie auf der von mir organisierten Radio FM4-Planet-Insel am Donauinselfest. Unser Programm ist sehr ausgewogen, der Mittelweg ist immer das Ziel. Der Weltmusik, dem Künstler Joe Zawinul, der Roma-Musik und Frauen auf der Bühne (in Kooperation mit "femous") werden wir heuer in der Szene mehrere Schwerpunkte widmen.

Was waren die größten Hürden, die es mit dem Standortwechsel zu überwinden galt. Sind Sie gern aus dem Planet ausgezogen?

Josef Sopper
Josef Sopper

Ehrlich gesagt weinte ich nach 20 Jahren "dortsein" dem alten, beengten Standort in der Brigittenau keine Träne nach. Viele tolle Shows, die jetzt im Gasometer stattfinden, hätten dort keinen Platz gehabt. Und bevor ich 1989 das Rockhaus übernahm, hatte ich mich schon als Geschäftsführer für die Szene Wien beworben, damals noch zu unerfahren und daher erfolglos. So gesehen wollte ich aber schon immer in Simmering wirken.

Was wünschen Sie der Musikszene Österreich für das kommende Jahr?

Zum Beispiel einen erfolgreichen Start der Gasometer Music City im Herbst 2012 mit vielen, vielen Perspektiven für die heimische Musikszene.

Bio

Nach erfolgter kaufmännischer (HAK) und musikalischer (Konservatorium) Ausbildung gründete Josef Muff Sopper, selbst Musiker seit seinem 8. Lebensjahr, 1986 den Verein Vereinigte Österreichische Musikförderer (VÖM), organisierte seitdem rund 5000 Live-Events mit 25.000 Bands, rund 80 Prozent davon heimische Acts, u.a. im Rahmen des größten heimischen Live-Bandwettbewerbs Austrian Band Contest.

Seit 1989 ist Sopper auch Geschäftsführer der Planet Music & Media GesmbH, war Betreiber des Rockhauses sowie des Planet Music und übernahm 2008 die Bank Austria-Halle im Gasometer sowie die Szene in Wien-Simmering.

Der glücklich verheiratete, vierfache Familienvater lebt in Wien, Hainburg an der Donau und in Ungarn, und ist neben seiner Tätigkeit für VÖM und Planet auch als Konsulent der Wiener Kulturplakat GmbH (Gewista), sowie als Geschäftsführer der Ungarischen Eutopia Kft. tätig, die sich mit der Entwicklung des Kultursektors auch in Ungarn und der Slowakei beschäftigt.

Termin: Von 21. Jänner bis 17. Februar finden jeden Freitag die Vorrunden des Austrian Band Contests in der Szene statt. Beginn: 18 Uhr.

 

(sh.)