In Dänemark ist die rechtspopulistische und EU-skeptische Dänische Volkspartei für einen Verbleib der Griechen in der Eurozone. Ein Zerreißen der Eurozone oder der Ausschluss Griechenlands wäre keine sehr gute Idee.
Kopenhagen. „Es wäre nicht gut, wenn der Euro fiele“, sagt Pia Adelsteen im Konferenzsaal des dänischen Außenministeriums. „Die Euroländer müssen eine gemeinsame Finanzpolitik haben.“
Wer glaubt, dass Adelsteen zur schrumpfenden Gruppe der „Föderalisten“ zählt, also der Befürworter einer immer engeren Union Europas, der irrt. Die resolute 48-Jährige sitzt seit dem Jahr 2007 für die rechtspopulistische und EU-skeptische Dänische Volkspartei im Kopenhagener Parlament und ist derzeit deren europapolitische Sprecherin.
Doch selbst am rechten Rand des politischen Spektrums ist die Einsicht tief verwurzelt, dass ein Zerreißen der Eurozone oder der Ausschluss Griechenlands keine sehr gute Idee wäre.
„Das wäre ein Desaster“
„Wenn der Euro fällt, wird das enorme Auswirkungen auf Dänemark haben“, warnt Merete Riisager von der libertären und ebenfalls EU-skeptischen Oppositionspartei Liberale Allianz beim selben Gespräch mit EU-Korrespondenten. Und zwei Tage später wird Karsten Dybvad, Chefanalyst der Nordea Bank, noch deutlicher: „Das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone wäre ein Desaster. Die Märkte würden sich sofort fragen: ,Der Erste ist raus – wer kommt als Nächster dran?‘“
Nach Gesprächen mit knapp zwei Dutzend Politikern, Ökonomen und Firmenvertretern lässt sich folgendes Bild zeichnen: Die politische, akademische und unternehmerische Elite ist mehrheitlich für einen baldigen Beitritt Dänemarks zum Euro – nicht zuletzt darum, weil 70 Prozent des Außenhandels mit Euroländern läuft. Sie hält ihn aber angesichts der starken Ablehnung der Bürger für unrealistisch, solange die Eurokrise nicht gelöst ist. Laut einer jüngsten Umfrage sind nur 24 Prozent der Dänen für die Euroeinführung.
Fremde Kontrolle über die Krone
In dieser Ablehnung des Euro liegt eine gewisse Ironie, denn faktisch wurde Dänemarks währungspolitische Hoheit im Jahr 1999 abgeschafft. Damals trat das Land dem sogenannten Wechselkursmechanismus II bei. Das ist die letzte Stufe vor der Einführung des Euro. Seit damals darf die Krone um höchstens 2,25 Prozent um den Wechselkurs von 7,46038 Kronen zu einem Euro schwanken. Folglich sieht die Kursgrafik der beiden Währungen wie das Kardiogramm eines klinisch Toten aus: eine flache Linie.
Dänemark kann also nicht mit Rücksicht auf seine Exportwirtschaft die Krone abwerten, wie es die Befürworter des Austritts Griechenlands im Hinblick auf eine neue, schwache Drachme empfehlen. Und auch Dänemarks Leitzinssätze werden faktisch nicht in Kopenhagen festgelegt, sondern von der Europäischen Zentralbank. „Wir nehmen nicht teil an den Entscheidungen über die Zinssätze, die wir aber ohnehin nachvollziehen“, stellt Per Callesen, Gouverneur der dänischen Nationalbank, nüchtern fest.
Die Euroskepsis des dänischen Volks mag mit der eigenen historischen Erfahrung einer ungezügelten Finanz- und Währungspolitik erklärbar sein. Anfang des 17. Jahrhunderts verzierte König Christian IV. Kopenhagen zwar mit zahlreichen bezaubernden Bauwerken, trieb das mächtige Dänemark aber in den Bankrott und zur Aufgabe großer Gebiete an Schweden.