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Einfach eine schlechte Idee

Die Finanztransaktionssteuer würde das Gegenteil von dem erreichen, was sie verspricht.

Da ist sie wieder, die Idee einer Finanztransaktionssteuer (FTS). Der französische Präsident, Nicolas Sarkozy, will sie einführen, um seinen Sinn für Gerechtigkeit unter Beweis zu stellen. Als politisches Kalkül durchaus nachvollziehbar: Die von James Tobin 1972 vorgeschlagene Abgabe auf Finanzgeschäfte gilt bei Politikern aller Couleurs und dem publizistischen Mainstream (angetrieben von den Globalisierungsgegner bei Attac) als die schönste, gerechteste und beste Idee seit Erdbeereis. Nicht umsonst wird sie oft als „Robin-Hood-Steuer“ glorifiziert.

Aber wenn die FTS eines nicht erreichen wird, dann die Umverteilung von Reich zu Arm. Ganz im Gegenteil. Die Besteuerung von originellen Produkten der Finanzalchemie würde nur einen Effekt haben: noch originellere Produkte, mit dem Ziel, die FTS zu umgehen. Und viele Finanzakrobaten würden einfach den Standort wechseln.

Die Konsequenz: Bezahlen werden jene, die nicht flüchten können: Kleinanleger mit 50 Telekom-Austria-Aktien. Nein, wer die „Kapriolen“ der Märkte verstehen und unterbinden will, muss zur Wurzel, statt einen neuen Ast hinzuzufügen. Nicht „die Märkte“ sind außer Kontrolle, sondern das (Papier-)Geldsystem ist es. Die Zentralbanken überschwemmen den Markt mit immer mehr Geld, das durch keinen realen Wert gedeckt ist. Dieses Geld bildet Blasen. Und wenn sie platzen, werfen die Zentralbanken einfach noch mehr „Funny Money“ hinterher.

 

nikolaus.jilch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2012)

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