Iran-Konflikt: "Alle Optionen müssen auf dem Tisch sein"

IranKonflikt Alle Optionen muessen
(c) EPA (ALEJANDRO ERNESTO)

Die USA sind besorgt wegen eines möglichen Angriffs Israels gegen den Iran. Auch Großbritannien schließt ein militärisches Eingreifen nicht aus.

Die USA sind zunehmend besorgt wegen eines möglichen Überraschungsangriffs Israels gegen den Iran. Präsident Barack Obama, Verteidigungsminister Leon Panetta und andere hochrangige Regierungsvertreter hätten die israelische Führung deshalb eindringlich vor den Folgen eines Militärschlags gewarnt, schrieb die Zeitung "Wall Street Journal" am Samstag. Hintergrund ist das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen zusammen mit Europa die iranische Ölindustrie mit neuen Sanktionen schwächen, um Teheran zum Nachgeben im Atomstreit zu zwingen.

Auch Großbritannien schließt ein militärisches Eingreifen im Iran weiterhin nicht aus. "Wir sind der Meinung, dass alle Optionen auf dem Tisch sein müssen", sagte Außenminister William Hague am Sonntag in einem Interview des britischen Senders Sky News. "Das ist Teil des Drucks auf den Iran."

IAEA-Experten reisen in den Iran

Zwei Monate nach der Veröffentlichung des umstrittenen Iran-Dossiers der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) reisen erstmals hochrangige Experten ins Land, um weitere Verhandlungen zu führen. Damit will die IAEA die Diskussion über das Atomwaffenprogramm erneut in Gang bringen. Das iranische Außenministerium kündigte am Samstag an, die Experten kämen am 28. Jänner. Sie sollen wohl auch die zweite Anlage des Landes zur Urananreicherung in Fordo untersuchen können.

Der Iran warnte andere arabische Staaten, im Fall von strengen Sanktionen das iranische Öl durch eigene Lieferungen zu ersetzen. Der iranische Vertreter bei der OPEC, Mohammad Ali Khatibi, sagte laut einem Zeitungsbericht: "Wenn sie das tun, sehen wir das als unfreundlichen Akt an und sie sollten wissen, dass das unvorhersehbare Konsequenzen haben kann."

In der lange geheim gehaltenen unterirdischen Anlage Fordo, rund 160 Kilometer südlich von Teheran, soll Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden. Die Iraner wollen die Anlage im Februar in Betrieb nehmen. Im UNO-Sicherheitsrat hatten die Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA am Mittwoch betont, dass der Iran damit gegen Resolutionen des Sicherheitsrates und auch der IAEA verstoße.

"Die IAEA-Inspektoren werden in den Iran kommen. Ihr Besuch dürfte etwa einen Monat dauern", sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ramin Mehmanparast. Im Streit um die Uran-Anreicherung zeigte er sich aber unnachgiebig. "Der Iran wird in jedem Fall an seinen Nuklearrechten festhalten und in dieser Angelegenheit keine Zugeständnisse machen."

Laut dem im November 2011 veröffentlichten Iran-Bericht der IAEA arbeitet Teheran in einem fortgeschrittenen Stadium an der Herstellung von Uran-Halbkugeln, die in Atombomben verwendet werden. Das Land wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms Atombomben zu entwickeln. Teheran bestreitet dies.

Am Freitag war eine ungewöhnlich scharfe Warnung von US-Präsident Obama bekanntgeworden. Falls Teheran tatsächlich wie angedroht die Öltransporte im Persischen Golf blockieren sollte, betrachteten die USA dies als eine Art Kriegshandlung. Wie die "New York Times" am Freitag berichtete, ließ die US-Regierung die Botschaft über "geheime Kommunikationskanäle" Religionsführer Ajatollah Ali Khamenei zukommen, der höchsten Autorität im Iran.

Wie das "Wall Street Journal" am Samstag weiter berichtet, ergriffen die USA bereits Maßnahmen, um ihre Einrichtungen im Nahen Osten im Falle einer militärischen Eskalation zu schützen. In Israel, das sich durch mögliche iranische Atombomben gefährdet sieht, läuft seit Monaten eine Debatte über das Für und Wider einer Militäraktion gegen atomare Einrichtungen in dem islamischen Staat.

(Ag.)