Tanz mit internationaler Drehung: Zum 18. Mal lud die Wirtschaftsuniversität Wien zum Ball ein. Zahlreiche Studenten, Industrielle und Diplomaten bevölkerten das Tanzparkett.
Wer den Ball der Wirtschaftsuniversität Wien am vergangenen Samstag besuchte, dem dürfte schon beim Betreten des Veranstaltungsortes eines sofort aufgefallen sein: Alle paar Meter war eine andere Fremdsprache zu hören. Da unterhielt sich das Pärchen vor der Bar auf Englisch, im Gang plauderte eine Gruppe auf Französisch, und dort, in der Ecke, sprach da nicht jemand Chinesisch?
Insofern war das Thema des diesjährigen WU-Balls mit „WU International“ sehr treffend gewählt: Rund 4500 Besucher kamen in den Sälen der Wiener Hofburg zusammen, um zu tanzen, einander kennenzulernen, zu feiern oder eben die eine oder andere Geschäftsbeziehung anzubahnen.
„Mich freut es besonders, dass sich der Ball jedes Jahr ein Stückchen mehr in der Wiener Gesellschaft etabliert“, sagte WU-Rektor Christoph Badelt bereits beim Empfang der Ehrengäste um acht Uhr zufrieden. Der 60-Jährige kam gemeinsam mit Gattin Irmgard aus dem Begrüßen gar nicht mehr heraus, denn tatsächlich waren zahlreiche Politiker, Industrielle und Wirtschaftsexperten der Einladung gefolgt.
Unter ihnen etwa Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien, die heuer zum dritten Mal den Ball besuchte: „Für mich ist das ein Ball der Studierenden, sehr jung und unkonventionell. Ich habe mich wirklich darauf gefreut“, sagte sie. Das viel zitierte „Networken“ – für das der WU-Ball ja besonders steht – würde sie aber gar nicht so gezielt betreiben, auch wenn dort „wo Unternehmer zusammentreffen, immer genetzwerkt wird“. Viel wichtiger sei es ihr, dass man auf einem Ball gute Gespräche führen könne.
Etwa mit Peter Oswald, Generaldirektor der Mondi AG, der als Stammgast gemeinsam mit seiner Frau Regina quasi zum „Inventar“ des Balls gehört. Ebenso Günter Thumser, Präsident von Henkel Central Eastern Europe, der seit seinem Abschluss 1977 „maximal fünf WU-Bälle versäumt“ hätte.
Eine Premiere gab es für Gerhard Pils, Chef von BMW Austria. Er kam mit Frau Evelin zum ersten Mal und war besonders motiviert, sich auf die Tanzfläche zu begeben: „Wir sind sicherlich nicht zur Dekoration hier.“
Für internationales Flair sorgten die zahlreichen Gäste mit ausländischen Wurzeln. So kamen etwa US-Botschafter William Carlton Eacho, Ayse Sezgin, türkische Botschafterin, oder Botschafter Xolisa Mfundiso Mabhongo aus Südafrika. Für Aufsehen sorgte auch Prinzessin Rola Al-Ghrair von Saudi-Arabien, die zwar keine Ballkönigin im amerikanischen Sinn abgab, dafür eine waschechte Ballprinzessin. „Der WU-Ball ist auch der einzige Ball, den ich besuche“, verriet sie. Als WU-Studentin fühle sie sich unter den größtenteils jungen Ballbesuchern besonders wohl.
Nur gemeinsam mit Staatssekretär Sebastian Kurz wollte sie lieber nicht bei der Eröffnung des Balls in die Festhalle spazieren. Der junge Staatssekretär, der auch bei der Eröffnung eine Rede hielt, wurde allerdings nur kurz gesehen. Das tat der Stimmung natürlich keinen Abbruch: Die Tanzflächen waren von Beginn an gut gefüllt. Vor allem im Erdgeschoss bei den „Wilden Kaisern“ oder im Festsaal, wo sich die Damen von den Herren teilweise stilsicher, teilweise etwas ungeschickt über das Parkett ziehen ließen.
Zu den Hauptthemen des Abends gehörte übrigens – es war halt ein Wirtschaftsball – der Verlust des österreichischen Triple-A-Ratings. Aber nicht nur: Denn wie ließ Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, schon zu Beginn des Abends ausrichten: „Wirtschaftler müssen ja nicht immer nur über Wirtschaft sprechen.“
Auf einen Blick
Tradition. Zum 18. Mal lud die Wirtschaftsuniversität Wien zum Ball in die Wiener Hofburg. Rund 4500 Besucher folgten dem Ruf, unter ihnen bekannte heimische Wirtschaftsgrößen und Politiker wie Staatssekretär Sebastian Kurz, Ewald Nowotny, Gouverneur der Nationalbank und Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Dieses Jahr war der Ball so international besucht wie nie, was deutlich an den zahlreichen Ehrengästen und Studierenden aus dem Ausland zu bemerken war.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)