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"Döner-Morde" ist Unwort des Jahres in Deutschland

Symbolbild Unwort des Jahres
(c) Dapd (Mario Vedder)
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Der Ausdruck stehe dafür, "dass die politische Dimension der Mordserie verkannt wurde." Weitere Unwörter waren nach der Auffassung der Jury "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie".

Der jahrelang für die Neonazi-Mordserie benutzte Begriff "Döner-Morde" ist in Deutschland zum Unwort des Jahres 2011 gewählt worden. Der Ausdruck stehe dafür, "dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde", erklärte die Jury der sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt. Weitere Unwörter des Jahres waren nach ihrer Auffassung "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie".

Die Bezeichnung "Döner-Morde" habe über Jahre hinweg die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen "in verhängnisvoller Weise beeinflusst", erklärte die Jury. Im Jahr 2011 sei dann "der rassistische Tenor des Ausdrucks" in vollem Umfang deutlich geworden. "Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechts-terroristischen Mordserie" würden die Opfer in höchstem Maße diskriminiert, "indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert werden", kritisierte die Jury.

Die jahrelang unentdeckt gebliebene Terrorzelle soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt.

Kritik an "Gutmensch"

Die Bezeichnung "Gutmensch" ist nach Ansicht der Jury ein Unwort, weil damit "das ethische Ideal des 'guten Menschen' in hämischer Weise" aufgegriffen werde, "um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren."

Der Ausdruck "marktkonforme Demokratie" steht der Jury zufolge für "eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist." Die Bezeichnung geht demnach auf eine Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück, wonach Wege zu finden seien, "wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist".

2420 Einsendungen mit 923 Wörtern

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 von einer unabhängigen Jury aus Sprachwissenschaftern ausgewählt. Die Aktion soll den Blick auf "sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen" lenken. Für die diesjährige Aktion lagen 2420 Einsendungen mit 923 verschiedenen Wörtern vor. Die häufigsten Vorschläge waren Döner-Morde (269-Mal), Stresstest (186-Mal), Rettungsschirm (136-Mal) und Tagesrandzeit (105-Mal).

(APA/dpa)