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Online-Buchungen: Hoteliers stöhnen über Provisionen

(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)
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Die steigende Marktkonzentration bei expedia.com und Co. lässt die Vermittlungsgebühren für Buchungen im Internet in die Höhe schnellen.

Schladming/Juk. Fast drei Viertel aller Urlaube beginnen am Laptop: „Online-Buchungen sind in kurzer Zeit von null auf hundert gestiegen“, sagt Peter Peer, Co-Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), am Dienstag beim Hotelierkongress in Schladming.

Das freut die Kunden, die Dutzende Hotels mit einem Klick vergleichen können. Und vor allem auch die Internet-Reisebüros. Denn sie erhalten ein großes Stück vom Kuchen der Online-Reservierungen. Für Buchungen, die über eine solche Preisvergleichs-Homepage zustande kommen, zahlen Hotels „Kommissionsgebühren“. Das heißt: Reserviert der Hotelgast beispielsweise bei booking.com und zahlt 100 Euro, erhält die Buchungsplattform zwölf Euro.

Der Markt wird von drei internationalen Playern beherrscht, wie Oliver Wolf von der ÖHV ausführt: Neben den US-Gesellschaften booking.com und expedia.com von der deutschen hrs.com. Die großen Player kaufen zunehmend kleinere Konkurrenten auf. So wurde die österreichische Seite tiscover.at ebenso wie hotel.de von hrs.com übernommen – und diktiert jetzt sukzessive höhere Kommissionsgebühren. "Es heißt, wenn du noch mehr Buchungen willst, musst du eben 15 statt zwölf Prozent Kommissionsgebühr zahlen", erläutert Guglielmo L. Brentel, Präsident des Schweizer Branchenverbands Hotellerie Suisse.

Hoteliers fürchten Steuerpaket

Um ein Gegengewicht in Österreich zu schaffen, fordert die ÖHV eine eigene nationale Buchungsplattform, die Hoteliers mit fünf Prozent deutlich niedrigere Kommissionsgebühren bieten soll. Mit an Bord sollten laut ÖHV vor allem die Österreich Werbung und die Landestourismusorganisationen (etwa Tirol Werbung) sein.

Um eine technische Lösung für eine solche Seite bereitzustellen, würden zu Beginn 80.000 bis 90.000 Euro fällig werden, rechnet Christian Maurer von der IMC Fachhochschule Krems vor. Etwaige Kosten für Inhalte und Strategien seien hier nicht eingerechnet.

Ob Kommissionsgebühren in der Größenordnung von fünf Prozent überhaupt realistisch sind, scheint fraglich. So biete myswitzerland.com, eine Seite, die von den heimischen Hoteliers als Vorbild genannt wird, Gebühren von zehn Prozent, sagt Hotellerie-Suisse-Chef Brentel. Dabei kommt der überwiegende Anteil des Budgets vom Staat. Der Erfolg ist überschaubar: Nur zwei, drei Prozent der Buchungen für die Schweiz erfolgen über myswitzerland.com.

Sorgen plagen die Hoteliers auch aus einem anderen Grund: Sie fürchten ein Belastungspaket der Regierung. Sepp Schellhorn, zweiter Co-Präsident der ÖHV, warnt vor höheren Körperschaft- und Vermögensteuern. Die gerüchteweise geplanten Erbschafts- und Schenkungssteuern könnten wiederum Betriebsübergaben erschweren. Man dürfe nicht Steuern erhöhen, sondern müsse das Förderwesen und die Verwaltung durchforsten, so Schellhorn.

Im vermutlich drohenden Krisenjahr rechnet die ÖHV mit einer „offensiven Preisgestaltung“ ihrer Mitglieder. Für die Gäste bedeutet das billigere Urlaube in Österreich.

Auf einen Blick

Die heimischen Hoteliers klagen über hohe Provisionen für Online-Buchungen: Zwölf bis 15Prozent müssen an die großen Internetseiten abgeliefert werden. Die Hoteliervereinigung will nun mit einer eigenen Buchungswebseite kontern. Auch die Regierung sorgt für Unmut: Die Touristiker fürchten ein Belastungspaket.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2012)