Salzburger Festspiele gegen Rechnungshof

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99 Empfehlungen zur Verbesserung von Buchhaltung und Controlling hat der Rechnungshof Österreichs Prestigefestival zugestellt. Die Salzburger Politiker wehren sich gegen eine Reform. Sie fürchten viel zu verlieren.

Stattliche 99 Empfehlungen gab der Rechnungshof (RH) dem Salzburger Festspielfonds, Veranstalter der Festspiele. Der Tenor: Rechnungswesen und Controlling müssen verbessert werden. Das klingt nicht so schlimm, aber es finden sich auch Breitseiten wie diese im Bericht: Der Festspielfonds sei schlechter organisiert als mancher kleine Verein. Weiters ungewöhnlich: RH-Präsident Josef Moser reiste am Dienstag eigens nach Salzburg, um vor Journalisten die RH-Kritik zuzuspitzen – und er besteht energisch auf einer umfassenden Reform: weg mit dem Festspielfonds-Gesetz, her mit einer zeitgemäßen Struktur, einer Stiftung wie in Bregenz, einer GesmbH. Dies soll nach Malversationen bei den Osterfestspielen im Vorjahr mehr Kontrolle schaffen.

Warum ist Moser so verärgert? Weil er in Salzburg einer Phalanx von Festspielen und Lokalpolitikern gegenübersteht, die keine Reform wollen. Wieso nicht? Basis des Festspielfonds ist ein Gesetz von 1950. Die Subventionen für die Salzburger Festspiele – 13,5 Millionen Euro, was bei einem Gesamtbudget von ca. 50 Millionen Euro nicht viel ist – teilen sich der Bund (40 Prozent) sowie Land Salzburg, Stadt Salzburg und Fremdenverkehrsverband (zu je 20 Prozent).

Das Gesetz sieht eine Abgangsdeckung vor, die praktisch nicht in Anspruch genommen wird, weil es heute unüblich ist, dass ein Festival im Nachhinein die öffentliche Hand zur Kasse bittet. Trotzdem: Nach einer Gesetzesänderung wäre eine Abgangsdeckung (automatische Defizit-Abdeckung) nie wieder zu bekommen. Außerdem wird in Salzburg befürchtet, dass der Bund bei einer Lockerung des seit Jahrzehnten fixen Aufteilungsschlüssels der Subventionen weniger als 40 Prozent zahlen könnte – mit dem von Bundespolitikern gern gebrauchten Argument, dass Kultur Landessache sei. Es überrascht nicht, dass sich in Salzburg die VP-nahe Festspielpräsidentin und Geschäftsführerin Helga Rabl-Stadler und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) über alle Parteigrenzen hinweg für die Erhaltung des Festspielfonds-Gesetzes einsetzen.

Letztlich ist es jedoch gleichgültig, für welche Konstruktion man sich entscheidet: ob für einen Verein, eine Stiftung, eine GesmbH oder einen Fonds. Missbrauch wie er bei den Osterfestspielen passiert ist, wo ein bis zwei Millionen Euro in dunkle Kanäle flossen, ist nie auszuschließen. Allerdings, die GesmbH ist die zeitgemäßere Struktur als der Verein. Was wird geschehen?

Kühles Klima in der Festspiel-Leitung

Die Festspiele müssen ihre Bücher in Ordnung bringen und halten. Wenn ihnen das gelingt und auch, es glaubwürdig zu machen, kann vielleicht das veraltete Festspielfonds-Gesetz gerettet werden – von VP und SP, gegen die Stimmen von Blauen und Grünen. Anderenfalls werden die Festspiele eine andere Organisationsform bekommen – und es wird auch nicht viel passieren. Die Bundestheater haben sich vehement gegen ihre Ausgliederung aus Bund und ihre Umwandlung in GesmbHs gewehrt. Staats-, Volksoper und Burgtheater sind trotzdem nicht untergegangen, wohl aber wurden Einsparungspotenziale in erstaunlichem Ausmaß realisiert und Sponsoren gewonnen. Allerdings: Wenn Österreichs große Kulturinstitutionen langfristig keine Abgeltung der Inflation (Valorisierung), keine Refundierung der jährlichen Gehaltserhöhungen bekommen, werden sie wie z.B. die Spitäler ihre Leistungen reduzieren (müssen).

Im Falle der Kunst bedeutet das etwa mehr Koproduktionen, weniger Einmaligkeit. Ob das Publikum dann noch bereit ist, die in Salzburg rekordverdächtig hohen Kartenpreise zu zahlen? Die beiden Salzburger Politiker und Festspiel-Kuratoriumsmitglieder, Wilfried Haslauer, Landeshauptmannstellvertreter, sowie Heinz Schaden, Salzburger Bürgermeister, geben morgen, Freitag, mit Rabl-Stadler eine Pressekonferenz, um die RH-Vorwürfe zu entkräften. Der neue Festspiel-Intendant Alexander Pereira ist nicht dabei. Trotzdem ist er ein wichtiger Mitspieler in Salzburg. Wie verstehen sich die beiden „Alpha-Tiere“ Pereira und Rabl? Ihr Vertrag läuft bis 2014, seiner bis 2017. Pereira könnte aus der jetzigen Kontroverse Nutzen ziehen: Er macht alles allein oder mit einem Geschäftsführer nach seinen Vorstellungen, die sparsamere Lösung, die er den Politikern schmackhaft machen könnte.

Opern-Evergreens verkaufen sich bestens

Exbankerin und Kulturministerin Claudia Schmied dürfte das gefallen. Der ehemalige Olivetti-Manager Pereira warb als Intendant der Zürcher Oper erfolgreich Sponsoren: ein Grund dafür, dass er die Salzburger Chefposition bekam. Aber auch er steht auf dem Prüfstand: Mit seiner Geistliche-Musik-Reihe dehnte er das ohnehin üppige Festival um neun Tage aus. Das kostet auch mehr. Die Opern-Evergreens wie „Bohème“, „Carmen“ oder „Zauberflöte“, die Pereira zeigt, sind stark gefragt. Ob das auch beim großen Konzertangebot der Fall sein wird? Die jetzige Festspiel-Krise scheint also zwar klein, sie könnte aber nachhaltigere Folgen haben.

Auf einen Blick

„Die organisatorischen, wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sind äußert rudimentär“, erklärte Rechnungshof-Präsident Josef Moser am Dienstag in Salzburg zum RH-Bericht über den Festspielfonds, der die Salzburger Festspiele veranstaltet. Bereits letztes Jahr hatte der RH-Rohbericht für Kontroversen gesorgt. Festspielpräsidentin und Geschäftsführerin Helga Rabl-Stadler erklärte, einige RH-Empfehlungen seien bereits umgesetzt, andere nicht sinnvoll. Das Leitungsgremium der Festspiele, das Direktorium, besteht derzeit aus Alexander Pereira und Rabl. Das Kuratorium ist das Aufsichtsorgan.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2012)

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