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Palästina: Kein „Superstar“ aus Gaza

(c) AP (Martial Trezzini)
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Die islamistische Hamas verbietet jungen Popsängern die Teilnahme an einer Castingshow. Jury suchte die besten Bewerber per Videokonferenz aus. Die TV-Sendung stehe im Widerspruch zu den lokalen Traditionen.

Jerusalem/Ramallah. Für 13 junge Popsänger aus Gaza hätte es die große Chance werden sollen: Vor gut vier Wochen haben sie sich für die zweite Runde in der Castingshow „Pop Idol“ qualifiziert, dem palästinensischen Pendant zu „Starmania“ oder „Deutschland sucht den Superstar“.

Nun macht die radikalislamische Hamasregierung im Gazastreifen ihrem Traum von Konzerthallen voll schreiender Girls ein Ende. „Es sind religiöse Beweggründe, die hinter dieser Entscheidung stehen“, vermutet Rajed Othman von „Maan“, einem Produktionsunternehmen, das zu der gleichnamigen palästinensischen Nachrichtenagentur gehört. „Maan“ produziert die Castingshow in Zusammenarbeit mit dem arabisch-israelischen Satellitensender „Mix TV“ aus Haifa (Israel).

Bei der vorigen Runde waren noch 130 Teilnehmer aus dem Gazastreifen an dem Sängerwettbewerb beteiligt. Die Jury suchte die besten Bewerber per Videokonferenz aus, nachdem Israel die Einreisebestimmungen zusätzlich verschärft hat, seitdem vor knapp fünf Jahren die Islamisten die Kontrolle über Gaza gewonnen haben.

Möglich ist, dass das Teilnahmeverbot für die Musiker aus Gaza im Zusammenhang mit den neuen Spannungen zwischen der Hamas und der im Westjordanland regierenden Fatah steht. Erst Anfang des Jahres haben die beiden verfeindeten Fraktionen Bereitschaft zur Annäherung signalisiert. So sollten die Aktivisten der jeweils gegnerischen Gruppe aus den Gefängnissen entlassen werden und Journalisten sollten wieder freie Arbeitsmöglichkeiten bekommen. Diese Woche ließ die Fatah-Führung in Ramallah indes erneut Zweifel laut werden, ob es der Hamas tatsächlich ernst mit der Aussöhnung sei.

 

„Sie wollen nicht, dass junge Leute singen“

In einem Schreiben der Hamas-Regierung an die Produzenten der Castingshow hieß es, dass das Programm im Widerspruch zu den Traditionen und Gebräuchen im Gazastreifen stehe und deshalb blockiert werden müsse. Die Hamas habe sehr klar gemacht, dass sie nichts von dem Programm halte. „Sie wollen nicht, dass die jungen Leute singen“, sagt Othman auf telefonische Anfrage.

Das palästinensische „Pop Idol“ geht bereits ins dritte Jahr. Am Anfang beschränkten sich die Fernsehmacher, die tatsächlich in Haifa sind, auf arabisch-israelische Teilnehmer. Im zweiten Jahr wurden auch Kandidaten aus den Palästinensergebieten zum Mitmachen eingeladen. Dass die Hamas nicht sofort einen Riegel vorgeschoben habe, liege wohl daran, dass „das Programm damals nicht so populär war“, vermutet Othman. Inzwischen erreiche die Sendung 35 Prozent der palästinensischen Fernsehzuschauer.

Gesungen werden fast nur arabische Lieder, „traditionelle arabische Musik und Liebeslieder“, sagt Othman. Wer es schafft, sich über fünf Runden lang im Rennen zu halten, wird zum Finale nach Bethlehem geladen. Für die meisten ist das die erste Gelegenheit, vor einem großen Publikum aufzutreten. „Wir hätten versucht, bei den Israelis eine Ausreisegenehmigung zu beantragen“, sagt Othman, wenn es tatsächlich einer der Sänger aus Gaza so weit geschafft hätte. Im vergangenen Jahr kam ein junger Araber aus dem Dorf Fassuta an der israelisch-libanesischen Grenze auf den ersten Platz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)