Mercedes E 250 CDI: Hausmannskost statt Haubenküche

Mercedes Hausmannskost statt Haubenkueche
Mercedes Hausmannskost statt Haubenkueche(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Hätte der Normverbrauch mehr mit der Realität zu tun, wäre dann später keiner enttäuscht. Der Mercedes E 250 CDI ist wirklich sparsam. Es ist ein stattliches, mit locker 1,8 Tonnen Gewicht kein leichtes Auto.

Es ist kalt draußen, man will es aber warm haben. Das ist schon ein Grund, warum man gerade im Winter gern mit dem Auto fährt. Ein moderner Dieselmotor trägt zur Heizleistung aber nicht mehr viel bei. Dass er möglichst wenig Energie in Wärme umwandelt, zählt ja zu seinen Tugenden. Zum wohligen Innenraum, und das möglichst schnell, verhelfen Zusatzheizer in den Ganglien der Bordbelüftung.

Heizerchen am Werk

Ohne sie wäre man längst am Ziel angelangt, bevor es auch nur annähernd warm aus den Düsen strömen würde. Die kleinen Heizerchen, wie sie in größerer Ausführung auch in manchem Bad mithelfen, müssen ihren Strom aber irgendwoher beziehen. Natürlich: über die Lichtmaschine vom Motor. Über diese Quelle werden auch die Heizdrähte der Sitzheizung genährt, die natürlich auf höchster Stufe arbeitet, dazu hat man sie ja. Und damit nichts beschlägt, ist auch die Klimaanlage im Dauereinsatz. All das treibt den Spritverbrauch nach oben.

Dass der von den Herstellern gefeierte Normverbrauch in der Realität dramatisch verfehlt wird, ist also gerade im Winter kein Wunder. Für den Mercedes E 250 CDI werden 4,9 bis 5,3 Liter im offiziellen Schnitt geführt – ein schöner Traum. Weil wir ja nicht frieren wollen, zumal im feinen Mercedes, und weil wir dann und wann auf der Autobahn schneller als 120 km/h fahren, anders, als das im Testzyklus (NEFZ) vorgesehen ist, auf den der Normverbrauch gründet, und damit übrigens auch die Angabe zum CO-Ausstoß.

Die Hersteller täten gut daran, sein Zustandekommen näher zu erläutern, anstatt ihn für bare Münze verkaufen zu wollen. Sonst passiert es, dass Fahrer enttäuscht sind. Sie erfahren ja ziemlich schnell, wie viel das Auto wirklich nimmt: an der Tankstelle. Es hat in Deutschland schon Prozesse deswegen gegeben.

Angemessener Verbrauch

Wir wollen uns dennoch nicht das Auto vermiesen lassen, obwohl es zwei Liter mehr verbraucht auf 100 Kilometern, als Mercedes verspricht. Denn: Es ist ein stattliches, mit locker 1,8 Tonnen Gewicht kein leichtes Auto. Es ist mit 204 PS und elefantösen 500 Newtonmeter Drehmoment keineswegs bescheiden motorisiert. Wir waren zum größten Teil im Stadtgebiet unterwegs. Das Schalten überließen wir gern der siebenstufigen Automatik, etwas anderes außer im Taxi völlig undenkbar. Bei voller Heizleistung kommt die Start-Stopp-Automatik nur noch gelegentlich dazu, den Motor an der roten Ampel abzudrehen. Wir haben ja, wie gesagt, nie gefroren. Dafür gehen 7,6 Liter, so die Bilanz der Testfahrten, vollkommen in Ordnung. Wer es wirklich drauf anlegt, findet noch Spielraum nach unten.

Die meisten E-Klasse-Käufer entscheiden sich für den 220 CDI, mit 2,2 Liter Hubraum im Grunde der gleiche Motor, nur mit weniger Leistung. Der 250 CDI ist wohl als Alternative zum drei Liter großen Sechszylinder gedacht. Dafür ist er akustisch aber nicht ausreichend gedämmt. Er tönt zuweilen bärbeißig, und wenn er sich anstrengt, dann ist das ebenfalls nicht zu überhören. So viel Abstand hätte man zur S-Klasse, in der der gleiche Motor eine bessere Figur macht, nicht lassen müssen. Aber die E-Klasse war immer schon Hausmannskost, nicht Haubenküche. Gut zubereitet kommt sie wenigstens nie aus der Mode.

Auf einen Blick

Mercedes-Benz E 250 CDI

Maße: L/B/H: 4868/1854/1471 mm. Radstand: 2874 mm. Leergewicht (EG): 1735 kg. Kofferraumvolumen: 540 Liter. Heckantrieb.

Motor: Reihenvierzylinder-Turbodiesel, 2143 cm. Leistung: 150 kW (204 PS) bei 4200 U/min, Drehmoment: 500 Nm bei 1600–1800 U/min.

0-100 in 7,7 sec. Vmax: 240 km/h. Normverbrauch: 4,9–5,3 l/100 km. CO lt. Norm: 129–138 g/km. Testverbrauch: 7,6 l/100 km.

Preis: 49.150 Euro (mech. Getriebe).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2012)

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