SP-Wirtschaftssprecher Moser hat sich für einen umfassenden Privatisierungsstopp im glücklicherweise ohnehin schon weit entstaatlichten Österreich ausgesprochen. Die Empfehlung, der Herr möge sich eingehender mit den letzten drei Jahrzehnten verstaatlichter Industrie befassen und den Zustand etwa der Voest vor und nach der Privatisierung vergleichen, ist freilich sinnlos: Aus der Geschichte hat noch nie ein Politiker gelernt. Schon gar nicht, wenn ihm das Ergebnis gegen den ideologischen Strich geht.
Vielleicht ist er aber lernfähig. In diesem Fall sollte man ihm eine Studienreise mit den Stationen München, Hamburg, Paris und Toulouse finanzieren. Zu EADS. Das wird im Eurofighter-Provisionsvolumen wohl noch drin sein.
Dort könnte der Wirtschaftssprecher der künftigen ersten Regierungspartei "live" zusehen, wie gerade ein europäischer Technologie-Superkonzern mit Weltgeltung mittels tatkräftiger politischer Hilfe gegen die Wand geflogen wird.
De iure ist die Airbus-Mutter EADS, die derzeit mit sehr ernsten Problemen kämpft, zwar kein klassischer Staatskonzern. Aber der spanische und vor allem der französische Staat (und neuerdings auch die russische Staatsbank) sind doch mit substanziellen Beteiligungen drinnen.
De facto wird die Konzernpolitik in den Regierungs-Wandelgängen von Paris und Berlin gemacht. Und so sieht sie auch aus: Erste Qualifikation für die Doppel-Konzernspitze ist die französische beziehungsweise deutsche Staatsbürgerschaft (immer im Doppelpack). Die Standorte sind nach politischen Gesichtspunkten über halb Europa verstreut (was beispielsweise dazu führt, Airbus-Rümpfe in Hamburg herzustellen und dann mit riesigen Spezialflugzeugen nach Toulouse zu jetten, wo die Tragflächen drangenietet werden). Frankreichs Regierungschef de Villepin urgiert eine "Sanierung unter Bedachtnahme auf die Arbeitsplätze", der neue Chef wurde von der französischen Staatsbahn geholt.
Das kennt man von irgend wo. In Österreich hat solches Wirtschaften 100 Mrd. Schilling und 40.000 Arbeitsplätze gekostet. In Frankreich wird gerade der schwer erkämpfte Vorsprung gegenüber Boeing verjuxt. Ein tolles Lehrbeispiel für die unternehmerische Kraft staatlichen Einflusses. Alles klar, Herr Moser?