Fixe oder variable Zinsen – was bringt mehr?

(c) Clemens Fabry
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Die Zinsen purzeln derzeit nach unten. Das ist schlecht für die Inhaber von Sparbüchern. Wenn man sich mit fixen Zinssätzen für etwa ein Jahr absichert, fährt man damit aber nicht immer besser.

Wien/Ker. Eine schlechte Nachricht für die Sparer: Mit den Zinsen geht es derzeit bergab. Tendenz dabei ist „weiter fallend“. In dieser Situation raten Experten künftigen Sparern oft, sich mit fixen Zinssätzen abzusichern. Also das Vermögen etwa für ein Jahr fix zu binden. Ist das aber tatsächlich ratsam? „Die Presse“ schaut sich für die nächsten zwölf Monate einige Szenarien genauer an.

Ein sehr interessantes Angebot gibt es derzeit etwa bei der Direktbank ING-Diba. Und zwar dann, wenn man noch nicht bestehender Kunde ist und ein neues Sparkonto eröffnet. Für sechs Monate bekommt man dabei 2,5 Prozent Zinsen (jährlich). „Diesen Zinssatz bekommt man für sechs Monate garantiert“, sagt die Verkaufsberaterin am Telefon.

Der Clou: Auf das Geld kann man trotzdem jederzeit zugreifen. Es ist sozusagen „täglich verfügbar“. Aber: Nach diesen sechs Monaten wird aus diesem fixen 2,5-Prozent-Zinssatz ein variabler. Dieser variable Zinssatz liegt dann deutlich niedriger. Derzeit beträgt er 1,8Prozent. Zahlt sich das Angebot der ING-Diba dennoch aus?

Zinsen könnten sinken

Ein Beispiel: Ein Neukunde legt 5000Euro aufs Sparkonto. Dafür bekommt er zusätzlich 40Euro Startbonus. Für die ersten sechs Monate wird dieses Geld (5040Euro) mit den 2,5Prozent verzinst. Danach passt sich der Zinssatz nach unten an. Für das restliche halbe Jahr bekommt er 1,8Prozent. Nach einem Jahr hat der Kunde rund 5120 Euro auf dem Konto (nach Abzug der Steuer; den 40-Euro-Bonus bekommt man, wenn man 5000 Euro oder mehr binnen vier Wochen auf das Sparbuch legt, Anm.).

Einen kleinen Haken hat dieses Beispiel jedoch. Es ist nicht garantiert, dass man für das zweite Halbjahr tatsächlich 1,8 Prozent bekommt. Dieser variable Zinssatz könnte theoretisch auch geringer sein bzw. mit der Zeit abnehmen. Und zwar dann, wenn es um die Wirtschaft in der Eurozone weiterhin schlecht bestellt ist und die Aussicht besteht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch weiter reduziert. In einem solchen Umfeld gehen gewöhnlich auch die Marktzinsen zurück. Die Banken reduzieren daher auch die Zinsen für die Sparbücher. Daher nehmen wir auch noch ein anderes Zins-Szenario bei der ING-Diba an: Man bekommt für die ersten sechs Monate die üblichen 2,5 Prozent; danach drei Monate 1,8 Prozent; für die restlichen drei Monate 1,4Prozent. Am Ende stehen auf dem Konto (nach Steuer und inklusive Bonus) 5117 Euro. Also um drei Euro weniger als im vorigen, günstigeren Szenario.

Im Vergleich zu anderen Tagesgeldkonten schaut dieses Angebot tatsächlich recht gut aus. Bei sparendirekt.at (von der Kremser Bank, Sparkassen AG) bekommt man für täglich behebbares Geld derzeit 1,77Prozent. Das ist im Vergleich zu den meisten anderen Angeboten ein hoher Zinssatz. Im aktuellen Zinsumfeld ist es aber auch wahrscheinlich, dass dieser variable Zinssatz noch weiter nach unten angepasst wird. Ein Szenario: Ein Kunde legt 5000 Euro bei sparendirkt.at an. Für die nächsten vier Monate bekommt er die aktuellen 1,77 Prozent Zinsen; für die folgenden vier Monate 1,5 Prozent; für die restlichen Monate gibt es 1,4 Prozent. Nach einem Jahr stehen (nach Steuer) rund 5058 Euro zu Buche. Der Zinsertrag macht hier um fast 60 Euro weniger aus als beim vorherigen Beispiel mit der ING-Diba.

Das Geld fix binden

Höhere Zinsen gibt es dann, wenn man sein Kapital fix bindet. Man sollte auf das Geld freilich während der Laufzeit nicht zugreifen. Denn dann werden die Zinsen drastisch gestutzt. Welche interessanten Angebote gibt es hier derzeit? Bei der Vakifbank bekommt man einen jährlichen Zinssatz von 2,875 Prozent. In Zahlen ausgedrückt: Wenn man 5000 Euro einzahlt, hat man am Ende 5107 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als bei der ING-Diba, obwohl dort der Zinssatz eigentlich niedriger ist. Hier wirkt sich der 40-Euro-Startbonus aus. Diesen bekommt man bei ING-Diba am Anfang gutgeschrieben, und der wird danach (laut telefonischer Auskunft von ING-Diba) auch verzinst. Viele Konsumenten haben zwar oft Zweifel, da „Vakifbank“ in der österreichischen Bankenlandschaft kein vertrauter Name ist. Es handelt sich freilich um ein Institut mit österreichischer Banklizenz. Spareinlagen von bis zu 100.000 Euro sind abgesichert.

Steuer schmälert Ertrag

Wer eine (Filial-)Bank mit vertrauterem Namen bevorzugt, muss auf Zinsen verzichten. Bei der Bawag P.S.K. bekommt man für ein einjähriges Kapitalsparbuch derzeit 2,25 Prozent. Bei einer Einlage von 5000 Euro bleiben nach einem Jahr „nur“ rund 5085 Euro übrig (nach Abzug der Steuer). Das ist dann doch nicht so viel, schließlich ist das Geld auch ein Jahr gebunden. Wenn die Inflation in diesem Zeitraum zwei Prozent ausmacht (was der Zielmarke der Europäischen Zentralbank entspricht), erzielt man mit diesem Sparbuch einen realen Kaufkraftverlust (also nach Inflation) von knapp 15 Euro. Beträgt die Inflation in der Zwischenzeit drei Prozent, dann beträgt der reale Verlust 65 Euro.

Mit anderen Worten: Bei einer Inflation in den nächsten zwölf Monaten von zwei Prozent müsste ein einjähriges Sparbuch einen nominellen Zinssatz von 2,7 Prozent aufweisen. Erst dann erleidet man nach Abzug der Steuer und der Inflation keinen Kaufkraftverlust. Wenn die Inflation allerdings bei drei Prozent liegt, müsste das Sparbuch einen Zinssatz von satten vier Prozent haben, damit man die Inflation abdecken kann.

Was Sie beachten sollten beim... Sparen

Tipp 1

Zinsen. Für ein einjähriges Sparbuch bekommt man hierzulande höchstens einen fixen Zinssatz von 2,875 Prozent (und zwar bei der Vakifbank). Am Ende kann hier nach Abzug der Steuer aber weniger übrig bleiben als bei einem Tagesgeldkonto der ING-Diba. Grund dafür ist, dass man bei der ING-Diba einen relativ hohen Startbonus von 40 Euro bekommt.

Tipp 2

Angebot. Bei der ING-Diba bekommt man für die ersten sechs Monate 2,5Prozent (p.a.). Danach verläuft der Zinssatz variabel. Das heißt, für die restlichen sechs Monate wird er deutlich niedriger liegen. Wenn man aber 5000 Euro aufs Sparkonto legt, bekommt man 40 Euro Startbonus. Dieses Angebot ist daher attraktiver als die meisten anderen.

Tipp 3

Inflation. Wenn die Inflation in den kommenden zwölf Monaten bei zwei Prozent liegt (Richtwert der EZB), müsste ein einjähriges Sparbuch einen Zinssatz von 2,7 Prozent haben. Erst dann erleidet man nach Abzug der Steuer und Inflation keinen Kaufkraftverlust. Liegt die Inflation bei drei Prozent, müsste der Sparzins bei vier Prozent liegen.

Tipp 4

Direktbanken. Direktbanken mit wenig vertrauten Namen bieten meist höhere Zinssätze als langgediente Filialbanken. Ein Beispiel ist die bereits vorhin erwähnte „Vakifbank“. Zweifel muss man dadurch keine haben. Das Institut hat die österreichische Banklizenz: Auch hier gilt die Einlagensicherung für Vermögen von bis zu 100.000 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)

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