Versicherungen. Der deutsche Talanx-Konzern kauft die polnische Warta-Versicherung um 770 Mio. Euro. Auch die Vienna Insurance Group war an ihr interessiert.
Wien/Apa. Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx kauft die polnische Warta-Versicherung vom belgischen Finanzkonzern KBC um 770 Mio. Euro. Damit werde man zur Nummer zwei am polnischen Markt, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Vienna Insurance Group (VIG), die sich ebenfalls für die Warta interessiert hat, kommt damit nicht zum Zug. Zu Talanx gehören unter anderem der Rückversicherer Hannover Rück und die Marken HDI.
KBC muss Warta und auch die polnische Kredyt Bank nach EU-Auflagen verkaufen. Die VIG wollte am Freitag keinen Kommentar abgeben. Mit dem Zukauf hätte sie ihren Marktanteil in Polen verdoppeln können. Als Interessenten neben der VIG galten auch der italienische Generali-Konzern, die Schweizer Zurich Financial und die deutsche Allianz. Die österreichische Uniqa hatte bereits im Herbst des Vorjahres erklärt, dass sie nicht ins Rennen gehen werde.
Preis als hoch eingeschätzt
Der Kauf von 100 Prozent der Warta durch die Talanx bedürfe noch der Zustimmung der zuständigen Behörden, hieß es in der Talanx-Mitteilung. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte 2012 abgeschlossen sein. Warta habe 2010 nach lokaler Rechnungslegung Prämieneinnahmen von umgerechnet etwa einer Mrd. Euro verbucht, davon 560 Mio. Euro in der Lebensversicherung. Die Warta beschäftigt derzeit 2765 Mitarbeiter und zählt 1,5 Mio. Kunden.
Im Bereich Lebensversicherung liegt die VIG in Polen momentan auf Platz fünf, im restlichen Versicherungsgeschäft auf Platz drei. Mit der Warta wäre man im Bereich Leben „eine sehr gut abgesicherte Nummer zwei“ geworden, wie Konzernchef Günther Geyer diesen Monat sagte. Ohne die Warta müsse man organisch wachsen.
Analysten schätzen den Kaufpreis von 770 Mio. Euro als sehr hoch ein. „KBC hat sich zu wenig darum gekümmert“, sagte ein Investmentbanker. Die Aktie des belgischen Finanzkonzerns legte um mehr als zehn Prozent zu.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)