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WKR-Ball: FPÖ erwägt nun Klage

(c) APA (HERBERT P. OCZERET)

Wiener Korporationsring: Zum letzten Mal sollen die Burschenschafter am nächsten Freitag in der Hofburg feiern. Eine Großdemo steht bevor.

Wien/Ib. Die FPÖ und deutschnationale bis rechtsextreme Burschenschaften – nicht wenige blaue Politiker gehören Korporiertenkreisen an. Allen voran der dritte Nationalratspräsident und „Olympe“ Martin Graf. Und, nicht zu vergessen, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: Er trat der „Vandalia“ bei – und hatte in seiner Jugend „Spielkameraden“ wie Andreas Thierry, Chefideologe der Rechtsextremen in Deutschland. Kein Wunder also, dass Strache und Graf zu den Stammgästen des WKR-Balls gehören, einem der „elegantesten Bälle der Wiener Szene“, wie ihn Strache nennt.

In Wahrheit ist die Veranstaltung mehr als umstritten – und nach einem „Missverständnis“ aus der Liste der Unesco-Kulturerben gestrichen worden. Ab dem nächsten Jahr ist sie aus der Hofburg verbannt. Für Strache unverständlich: „Das ist nicht akzeptabel. Wir prüfen gerade, inwieweit wir nötigenfalls den Klagsweg beschreiten können.“

In diesem Jahr nahm die Kritik an den Veranstaltern zu: Denn der letzte Freitag im Jänner – der traditionell den Termin des Balls bestimmt – fällt auf den 27.Jänner, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Für die Burschenschafter kein Grund, ihre Feierlichkeiten zu verschieben. Die Initiative „Jetzt Zeichen setzen“ wehrt sich gegen den Ball. Mehr als 50Organisationen und Vereine stehen dahinter – von SOS-Mitmensch bis zum Antirassismusverein Zara. Trotz Protesten distanziert sich die FPÖ vom Ball nicht. Im Gegenteil: Der blaue Stadtrat Gerald Moll aus Stockerau meint, er würde sich „gerne als Rechtsextremist bezeichnen lassen, weil ich das inzwischen als Auszeichnung gegenüber den Beschimpfungen erachte“, zitiert ihn „Profil“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)