Bilanz: Der Hund und die Wurst

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enn es stimmt, was Kärn tens Landeshauptmann Jörg Haider über die Veranlagung der 500 Hypo-Millionen öffentlich erklärt hat, dann hat die Spekulationsaffäre um die Kärntner Landesbank einen nicht ganz unwichtigen Nebenaspekt zu Tage treten lassen: Wie grauenhaft schlecht nämlich "öffentliche Hände" gelegentlich ihnen anvertrautes Geld anlegen.

Also: Das Land hat, wie berichtet, 500 Mill. Euro als "Vorschuss" auf die geplante Teilprivatisierung der Hypo-Alpe-Adria-Bank aus der Bank gezogen. Das Geld wurde in einen "Zukunftsfonds" gesteckt, aus dem das Land verschiedene Projekte finanziert (beispielsweise einen Anteil am Koralmtunnel oder eine Beteiligung an der zwischenzeitlich in den Konkurs geschlitterten Fluggesellschaft Styrian Spirit). Weil ein Großteil dieses Geldes erst in einigen Jahren in Projekte fließen soll, wurde der Fonds - täglich fällig - "gut veranlagt", wie Herr Haider sagt.

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nd zwar, erraten, bei der Hypo Alpe-Adria. Der schöne, angeblich immer noch mit 480 Millionen Euro prall gefüllte Topf bringt, sagt Herr Haider, 800.000 Euro Zinsen im Monat. Klingt aufs erste Hinhören auch gar nicht so schlecht, lässt aber jeden, der schon jemals anders als am Eckzinsbüchel veranlagt hat, alle Haare senkrecht zu Berge stehen.

800.000 im Monat für 480 Millionen Euro, das ist eine Verzinsung von fetten zwei Prozent. Wie man weiß, sind Zinsen, auch für täglich fällige Einlagen, verhandelbar. Und zwar um so besser, je höher der angelegte Betrag ist. Wenn die Mizzi-Tant oder, was in Kärnten vielleicht volksnäher ist, der alte Radulnig einen Tausender übrig haben und täglich fällig anlegen wollten, dann bekommen sie derzeit dafür bis zu 2,75 Prozent.

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icht bei der Hypo und auch nicht bei Wiener Großbanken, aber man kann sich seine Bank ja glücklicherweise aussuchen. Und das Land Kärnten bekommt für das 500.000fache des Radulnig-Tausenders nur zwei Prozent? Und: Warum legt man Geld, das man erst in Jahren braucht, täglich fällig an? Und: Was denkt sich ein Finanzlandesrat bei solchem finanziellem Stümpertum?

Wenn es also die Wahrheit ist, was Herr Haider über seinen Zukunftsfonds gesagt hat, dann betreibt er real gesehen Vermögensvernichtung. Oder er legt das Geld bewusst schlecht bei seiner Landesbank an. Das käme dann in die Nähe einer unerlaubten Beihilfe für die Hypo.

In beiden Fällen erweist sich aber wohl das berühmteste Edlinger'sche Bonmot als richtig: Es wäre wirklich besser, den Hund auf die Wurst aufpassen zu lassen, als solche Politiker auf das Geld der Steuerzahler.

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