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n einem Land, in dem Ge werkschafter und Arbeiterkämmerer Heuschreckengeschäften nachgehen, während sich die hauptstädtische Wirtschaftskammer mit Verve gegen unternehmerische Freiheit im Handel in die Schlacht wirft - in einem Land also, das wirtschaftlich manchmal ein bisschen verkehrt tickt, kann natürlich vieles passieren.
Zum Beispiel, dass der Generalsekretär einer Partei, die bis vor kurzem in der Regierung saß, von eben dieser Regierung verlangt, in einem börsenotierten Unternehmen namens OMV "einen Kurswechsel herbeizuführen". Das investiert nämlich, noch dazu im Ausland, statt im Inland den Benzinpreis zu senken.
Gratuliere, Herr Kickl! Das nennt man Durchblick! Vielleicht könnte die OMV einen winzigen Teil ihrer Osteuropa-Gewinne dazu verwenden, der FPÖ-Spitze den Volkshochschulkurs "Die Rolle von Regierungen in der strategischen Planung börsenotierter Unternehmen" zu sponsern. Kopf hoch, kann ja noch werden.
Da ist der VP-Bauernbund aus anderem Holz geschnitzt. Der fordert weitere Steuererleichterungen für die Landwirtschaft. Und zwar als "Begleitmaßnahme zur Hebung der Wettbewerbsfähigkeit". Gut argumentiert.
Wo fangen wir da an? Ah ja, bei der Milch: Da sind, sagt der Bauernbund, die Produktionskosten beim schlechtesten Viertel der Betriebe dreimal so hoch wie beim besten. Solche Produktivitätsunterschiede zeigen sich in der Industrie zwischen Österreich und dem östlichen Osteuropa, und nicht zwischen Nachbarbetrieben. Kann es sein, dass die miserable Produktivität da mit einer überhöhten Subventionierung zu tun hat? Dass es keinen Druck zu mehr Produktivität gibt, wenn die Differenz ohnehin der Steuerzahler "brennt"?
W
enn ja, ein Vorschlag: Fördern wir die "Hebung der Wettbewerbsfähigkeit" in solchen Betrieben. Reichlich, aber mit strikter zeitlicher Begrenzung. Und dann lassen wir ein bisschen Markt drüberfahren, so wie sonst überall in der Wirtschaft auch. Dann hätten wir ein paar Betriebe weniger, aber eine gesunde Struktur.
So war das nicht gemeint? Es ging mehr um die Förderung? Ach so - sind wir ja gewohnt, regt hier auch niemanden auf. Genau so, wie es offenbar nur wenige aufregt, wie interpretativ hierzulande neuerdings mit Bilanzierungsregeln umgegangen wird: Wenn man einen notdürftig zusammengeschusterten Unfallwagen auf dem Gebrauchtwagenplatz als "unfallfrei" (und damit teurer) verkauft, hat man ein rechtliches Problem. Wenn man geschäftliche Blechschäden in einer Bankbilanz vor dem Börsengang durch extensive Regelauslegung schnell "unsichtbar" macht, offenbar weniger. Ein Gruselkabinett, wie gesagt.