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Life and Times 3 & 4 im Kasino der Burg: Der Alltag als Krimi

(c) APA/ANNA ST�CHER/BURGTHEATER (ANNA ST�CHER/BURGTHEATER)
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Das „Nature Theater of Oklahoma“ führt die unendliche Geschichte eines Lebens in den USA fort. Bei der Premiere im Kasino war für Episoden drei und vier das Genre Kriminalstück dran. Achtzigerjahre ziehen sich.

Kelly Copper und Pavol Liska lassen nichts aus: Die Regisseure des „NTO“ haben mit Ensemblemitglied Kristin Worrall (41) zehn stundenlange Telefongespräche über deren Leben geführt, den Text transkribiert, um ihn ungekürzt dramatisch umzusetzen. Jedes Räuspern in der Reflexion über ein normales Leben in Amerika seit den Siebzigerjahren findet sich wieder. Die extreme Konsequenz fordert hohe Ansprüche an Rhythmus und Setting. Teil eins dieses „Life and Times“ wurde vor zwei Saisonen im Kasino wie als Gymnastik zur Spartakiade aufgeführt, Teil zwei im Jahr darauf als Disco-Show.

Nun war bei der Premiere im Kasino für Episoden drei und vier, die vor allem in den Achtzigerjahren spielen, das Genre Kriminalstück dran: Die Darsteller probten in einem Kammerspiel-Set Agatha Christies Theaterhit „Die Mausefalle“, Verbrechen, Verhöre und Beichten inklusive, mit leitmotivischen Orgelklängen und irritierenden Stroboskopeffekten. Auch das britische Ambiente mit Kamin, Ohrensessel, Sofas samt Blick auf verschneite Landschaft verfremdet den oft banalen Text enorm. Die Schauspieler bekommen ihn erst live auf gut tausend Tafeln präsentiert – eine Urform des Teleprompters. Man muss die Leistung des Ablesens bei gleichzeitigen hochdramatischen Gesten bewundern. Die Burg-Profis Markus Meyer, Sabine Haupt, Fabian Krüger und Moritz Vierboom sind ihren Kollegen aus den USA im Englischen fast ebenbürtig und im Melodram exzellent. Von den Gästen fällt Anne Gridley mit ihrer Intensität auf, wie auch Worrall, sie spielt vor der Pause das Opfer. Magisch feiert es danach eine Auferstehung. Fast fünf Stunden inklusive Pause dauert diesmal der Spaß.

Nur durch schauspielerische Glanzleistungen ist solch gnadenlos avantgardistische Anmaßung erträglich. Denn wer möchte unendliche Verwirrung über die erste Periode, den ersten Kuss, das Flötenspiel, Ferien in London und den Schulball ertragen? Das lohnt sich zwar allein wegen vieler Momente reiner Poesie und der Passagen erhebenden Gesangs, aber Aufmerksamkeit schafft vor allem die hohe Konzentration der Vortragenden. Lauter Könner in einem um zwei Stunden zu langen Experiment. Es endet mit einem halbstündigen, herzigen Animationsfilm von Copper und Liska. Ihr Star: Katze Bentley. Aha!, um!, „The Mousetrap“. Jetzt ahnt man, worauf die Darstellerin Julie LaMendola zuvor mit ihrem häufigem Miau angespielt hat. norb

Nächste Termine: 25., 26., 29. Jan., 3.–5. Feb.