Dialog der Kulturen

Die Regierung entdeckt den Dialog mit Muslimen. Kein Jahrzehnt zu früh.

Sebastian Kurz darf nicht vorgeworfen werden, wenn die Bundes- und, nebenbei bemerkt, fast alle Landesregierungen bei der Integration von Ausländern jahrzehntelang versagt haben. Und sie haben ziemlich versagt. Dass der Staatssekretär am Montag ein „Dialogforum Islam“ begonnen hat, ehrt den jungen Mann. Der Beginn eines derartigen Dialogs erfolgt kein Jahrzehnt zu früh. Er ist auch als Eingeständnis von Ratlosigkeit, gegenseitigem Missverstehen und Nichtkennen zu lesen. Obwohl die Zahl der Muslime in Österreich mittlerweile schon bei ungefähr einer halben Million liegt.

Genauso wichtig wie ein tabuloser Dialog mit „dem“ Islam wäre aber auch der Beginn eines breiten Dialogs im Islam selbst. Zu besprechen gäbe es da wohl einiges über die Bedingungen eines Lebens in einer demokratischen europäischen Gesellschaft. Ab und zu werden schlaglichtartig Probleme deutlich, die genauso rasch aus der allgemeinen Wahrnehmung wieder verschwinden, wie sie gekommen sind. Die von Staatssekretär Kurz geforderte Ausbildung von Imamen in Österreich zu garantieren wäre ein wichtiger Schritt. Nur hätte die Republik dann dafür auch die Rahmenbedingungen zu schaffen. Außer der Dialog ist lediglich als Ersatz für Verhaltensänderungen gedacht.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com