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Do&Co tischt künftig bei den ÖBB auf

DoCo tischt kuenftig oeBB
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Bis zu 16 Millionen Euro jährlich überwies die ÖBB an den bisherigen Speisewagen-Betreiber. Dieser soll abgelaufene Würstel serviert haben.

[WIEN] Mindestens vier Unternehmen sollen sich darum beworben haben, ab 1. April bei den ÖBB die Speisewagen betreiben zu dürfen. Offiziell werden die Bundesbahnen die Entscheidung am Donnerstag bekannt geben. Laut „Presse“-Informationen stand aber bereits am Dienstag fest, dass das Cateringunternehmen Do&Co von Attila Dogudan den Zuschlag erhalten wird.

Ein monatelanges Rätselraten hat damit ein Ende. Im April des Vorjahres waren Vorwürfe aufgetaucht, wonach der bisherige Caterer E-Express in den Zügen abgelaufene Ware serviert habe. Die ÖBB kündigten „Untersuchungen“ an, endgültig geklärt wurde der Sachverhalt aber nicht. E-Express bestreitet die Vorwürfe nach wie vor. Dass die Zusammenarbeit keine Fortsetzung finden wird, war jedenfalls aufgrund des Konflikts bereits im Vorjahr absehbar.

Sowohl die ÖBB wie auch Do&Co wollten am Dienstag keine Stellungnahme zur künftigen Partnerschaft abgeben. An E-Express überwiesen die Bundesbahnen jährlich bis zu 16 Mio. Euro für den Betrieb der Speisewagen sowie des Services in den Kabinen. Auch Do&Co soll künftig subventioniert werden, allerdings mit einem geringeren Betrag. „Billiger und besser“ solle das Service von nun an sein, forderten die ÖBB in der Ausschreibung.

Westbahn wählt anderes Service

Tatsächlich ist es durchaus üblich, dass europäische Staatsbahnen die Cateringunternehmen für den Verkauf von Essen und Trinken bezahlen. Es sei schwer planbar, in welchem Ausmaß Kunden auf welcher Strecke die Speisewagen in Anspruch nehmen, heißt es aus den ÖBB. Für Firmen wie Do&Co sei es deshalb grundsätzlich ein Verlustgeschäft, in Zügen frisch zubereitetes Essen zu verkaufen – weshalb jeder Caterer auf Subventionen bestehen würde.

Einen anderen Weg wählt die private Westbahn, die seit Dezember auf der Strecke Wien-Salzburg unterwegs ist. Sie verkauft kein warmes Essen, sondern im Voraus zubereitete Sandwiches der Firma Ströck. Und der Kaffee wird aus Automaten angeboten. Dafür erspare man sich millionenschwere Zuschüsse an ein Cateringunternehmen, betont ein Sprecher der Westbahn.

Nicht alle sind mit der Entscheidung der ÖBB, Millionen für den Betrieb der Speisewagen auszugeben, glücklich. So kritisierte die Gewerkschaft Vida in der Vergangenheit das Engagement von E-Express heftig. Die Firma setze ausländische Arbeitskräfte zu niedrigen Löhnen ein. Der Betrieb der Speisewägen durch E-Express hätte deshalb durchaus auch mit geringeren Zuschüssen profitabel für das Cateringunternehmen sein können, vermutet die Gewerkschaft. Zu der künftigen Zusammenarbeit der ÖBB mit Do&Co wollte sich Vida am Dienstag nicht äußern.

ÖBB-Chef Christian Kern gab vergangene Woche bekannt, den Verlust bei den Bundesbahnen im abgelaufenen Jahr auf weniger als 30 Mio. Euro reduziert zu haben – nach einem Minus von 330 Mio. Euro (inklusive einmaliger Effekte in Höhe von 250 Mio. Euro) im Jahr zuvor. Bis 2013 soll eine „Schwarze Null“ erreicht werden. Dazu sollen unter anderem geringere Ausgaben für das Catering beitragen.

Von den Steuerzahlern erhalten die ÖBB jährlich rund 4,1 Mrd. Euro an Unterstützung (inklusive 1,7 Mrd. Euro für die ÖBB-Pensionisten). Darüber hinaus haftet der Bund für die Schulden in Höhe von 18 Mrd. Euro. Ein Betrag, der in den kommenden Jahren aufgrund des Infrastrukturausbaus, vor allem des Baus der drei Tunnel durch Semmering, Koralpe und Brenner, weiter anwachsen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2012)