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Tibet: Weltgemeinschaft soll "Position beziehen"

Tibets ExilPremier fordert Intervention
Der tibetische Exil-Premier Lobsang Sangay(c) EPA/MARCEL BIERI
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Tibets Exil-Premier Lobsang Sangay fordert die Weltgemeinschaft auf, bei der chinesischen Regierung zu intervenieren, "um weiteres Blutvergießen in Tibet zu verhindern". Peking sieht "ausländische Separatisten" am Werk

Der tibetische Exil-Premier Lobsang Sangay hat an die Weltgemeinschaft appelliert, unverzüglich bei der chinesischen Regierung zu intervenieren, "um weiteres Blutvergießen in Tibet zu verhindern". Die internationale Gemeinschaft dürfe nicht länger passiv bleiben, hieß es in dem Aufruf vom Mittwoch. "Wie viele tragische Todesfälle müssen noch gemeldet werden, bis die Völkergemeinschaft Position bezieht?", fragte der im Vorjahr von einem Exilparlament in Indien gewählte Regierungschef.

Die Proteste der tibetischen Bevölkerung in Südwestchina breiten sich aus, erneut seien mindestens zwei Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden, berichtete die tibetische Exilregierung im nordindischen Dharamasala. Nach anderen Angaben könnte die Zahl der Toten noch höher sein.

Die Unruhen in der tibetischen autonomen Präfektur Ganzi in der Provinz Sichuan haben demnach am Dienstag auch auf den Verwaltungsbezirk Seda übergegriffen. Bewohner berichteten dem US-Radiosender "Radio Free Asia" (RFA), möglicherweise seien bis zu fünf Tibeter getötet worden. Rund 40 seien verletzt, ähnlich viele festgenommen worden. Auch im benachbarten Kreis Aba gab es Proteste.

300 Mönche aus Kloster verschleppt

Am Montag waren in Luhuo nach unterschiedlichen exiltibetischen Angaben zwischen drei und sechs Tibeter durch Schüsse ums Leben gekommen. Rund dreißig Menschen seien bei dem gewaltsamen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte verletzt worden. 1965 hatten die chinesischen Kommunisten große Teile Tibets an die Nachbarprovinzen Provinz Qinghai und Sichuan angegliedert. In Sichuan waren die Behörden im Vorjahr massiv gegen Tibeter vorgegangen. Rund 300 buddhistische Mönche wurden aus dem Kloster Kirti verschleppt.China/Tibet/Unruhen

Peking: "Ausländische Separatisten" am Werk

Die chinesische Regierung hat am Mittwoch "separatistische Gruppierungen im Ausland" für die jüngsten Unruhen in tibetischen Gebieten in Südwestchina verantwortlich gemacht. "Die Versuche separatistischer Gruppen im Ausland, die Wahrheit zu verdrehen und die chinesische Regierung zu diskreditieren, sind zum Scheitern verurteilt", erklärte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Hong Lei, laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die chinesischen Sicherheitsbehörden bestätigten am Mittwoch, dass ein "Aufrührer" am Vortag in der tibetischen autonomen Präfektur Ganzi in der Provinz Sichuan erschossen worden sei, als Unruhestifter ein Polizeikommissariat zu erstürmen versucht hätten. Es seien bei den Zusammenstößen 14 Polizisten verletzt und 13 Aufrührer festgenommen worden. Den Protesten waren mindestens vier Selbstverbrennungen von Tibetern allein in diesem Monat vorausgegangen. In weniger als einem Jahr gab es in China damit insgesamt bereits 16 bekanntgewordene Fälle von Selbstverbrennungen aus Protest gegen die Tibet-Politik der chinesischen Regierung.

 

(Ag.)