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"Faustschlag ins Gesicht": Statistik entlarvt Wahlbetrug

GEMEINDERATS-UND B�RGERMEISTERWAHLEN IN DER STEIERMARK
Symbolbild(c) APA/MARKUS LEODOLTER (Markus Leodolter)
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Bei der Analyse von Wahlen verschiedener Länder fanden die Wiener Komplexitätsforscher Peter Klimek und Stefan Thurner in Uganda und Russland deutliche Unregelmäßigkeiten.

Künftig könnte eine von Wiener Wissenschaftern entwickelte, nun am Preprint-Servers "arXiv" veröffentlichte statistische Methode deutliche Hinweise auf Wahlbetrug liefern. Bei der Analyse von Wahlen verschiedener Länder fanden die Wiener Komplexitätsforscher Peter Klimek und Stefan Thurner in Uganda und Russland deutliche Unregelmäßigkeiten. "Unser Tagesgeschäft ist es, in Daten systematische Trends zu finden. Und in den russischen Wahldaten waren die systematischen Abweichungen so auffällig, dass es wie ein Faustschlag ins Gesicht war", so Klimek.

Daraufhin versuchten sie, eine allgemeine statistische Methode zum Erkennen von Wahlbetrug zu entwickeln - und zwar für jene Form, die sich im Englischen "ballot stuffing" (die Wahlurne vollstopfen) nennt. Dabei wird vor Wahlbeginn die Wahlurne mit Stimmzettel gefüllen, oder Leute bezahlt, viele Stimmzettel auf einmal einzuwerfen. "Wenn das systematisch betrieben wird, werden in den betroffenen Bezirken die Wahlbeteiligung und gleichzeitig die Stimmen einer Partei hochgeschraubt, während die anderen Parteien auf einem normalen Niveau bleiben", so Klimek.

"Geeintes Russland": Ein Sieg von 100:0

Allerdings gäbe es auch immer wieder natürliche Abweichungen, erklärte Klimek: So sei etwa in Großbritannien in ländlichen Gegenden typischerweise die Wahlbeteiligung und der Stimmanteil der konservativeren Parteien höher. Doch die Abweichung bei Wahlbetrug sei um den Faktor 100 größer als im Normalfall. "Das ist ein sehr starker Effekt, den man nicht mehr durch ein Stadt-Land-Gefälle oder ähnliches erklären kann."

Umgelegt auf die russischen Parlamentswahlen bedeutet das: "Ein durchschnittliches Fußball-Resultat lautet 1:1 oder 2:1. Natürlich gibt es eine Streuung darin, manche Spiele enden 0:0, manche 5:0. Wenn die Regierungspartei 'Geeintes Russland' eine Fußballmannschaft wäre, würde sie fünf Prozent ihrer Spiele mit 100:0 gewinnen", so der Wissenschafter.

Thurner vermisst in Demokratien "Qualitätsstandards für den demokratischen Prozess", mit dieser Methode gebe es nun die Möglichkeit dafür. Natürlich sei dies eine statistische Methode mit all ihren Vor- und Nachteilen und kein Beweis für Wahlbetrug. "Wir haben damit aber ein einfaches statistisches Maß, das Wahlbeobachter in der Praxis verwenden könnten, um einen Indikator dafür zu bekommen, wie weit man einem Wahlergebnis trauen kann", so Klimek.

(APA/Red.)