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Sonnensturm: Polarlichter und geänderte Flugrouten

Nordlicher über Tromsö
(c) AP (Rune Stoltz Bertinussen)
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Der Sonnensturm vom Dienstag hat wohl keine Satelliten beschädigt. Einige Flüge, die ursprünglich über den Nordpol gehen sollten, wurden umgeleitet.

Der gewaltige Sonnensturm vom Dienstag hat wohl keine Schäden verursacht. Auffälligste Auswirkung waren bunte Polarlichter über dem Norden Europas.

Die US-Fluggesellschaft Delta Air Lines hat der Sonnensturm zu Routenänderungen gezwungen. Wegen möglicher Störungen der Satellitenkommunikation durch die Sonneneruption habe das Unternehmen die Flugrouten zwischen den USA und Asien angepasst, die ursprünglich am Nordpol vorbeigeführt hätten. Das sagte ein Delta-Sprecher am Diensta. Flugzeuge von Hongkong, Shanghai und Seoul seien nun weiter südlich unterwegs.

Nach Angaben von US-Forschern hatte der Sonnensturm am Sonntagabend begonnen. Die US-Raumfahrtbehörde NASA registrierte den Höhepunkt der Eruption am Dienstag. Bei einem solchen Ausbruch, der von Forschern als "koronaler Massenauswurf" (KMA) bezeichnet wird, werden elektrisch geladene Partikel ins All geschleudert und kollidieren mit dem Magnetfeld der Erde. Dadurch kann laut NASA die Satellitenkommunikation gestört werden.

 

"Sonne wird aktiver"

"Die Stürme vom Dienstag waren ein klares Zeichen, dass die Sonne aktiver wird", sagte der Leiter des Bereiches Weltraumwetter der Europäischen Raumfahrtbehörde, Juha-Pekka Luntama. Noch seien sie aber längst nicht so stark wie vor etwa zehn Jahren.

Luntama rechnet für Mitte 2013 mit einem Maximum der Sonnenaktivität - aus ihren Außenschichten werden dann besonders oft große Gaswolken ins All geschleudert. Die Aktivität schwankt im Rhythmus von etwa elf Jahren und nimmt seit 2010 wieder zu. In den nächsten eineinhalb Jahren werde es deshalb mehrere Sonnenstürme geben, die immer stärker würden. Wie viele es sein werden, könne nicht vorhergesagt werden.

Keine Satelliten gestört

Hohe Sonnenaktivität am Wochenende habe zu zwei Stürmen geführt. "Der erste, der Protonensturm, war stark und dauerte recht lange an", sagte Luntama. Satelliten seien nach ersten Erkenntnissen aber nicht gestört worden. Am Dienstagabend sei ein geomagnetischer Sturm gefolgt. Dieser habe Polarlichter verursacht, die sogar über ungewöhnlich südlichen Regionen wie England zu sehen waren.

Das deute darauf hin, dass der Sturm Auswirkungen auf das Magnetfeld der Erde gehabt habe, erklärte Luntama. Normalerweise sind die Nordlichter wegen des gebogenen Magnetfeldes nur in der Nähe der Pole, also zum Beispiel über Schweden und Norwegen, zu sehen.

Die Teilchen hätten zusammen in etwa die Masse eines großen Berges in deutschen Mittelgebirgen, erklärte Werner Curdt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Da der Sturm die Erde nun passiert habe, solle es auch keine Probleme mehr geben. "Das müsste durch sein."

(APA)