Die Wiener Kunstmesse rutscht in den Herbst und bekommt einen strategischen Partner aus Russland. Die Viennafair habe dadurch "großes Potenzial", ein "big ticket" am internationalen Kunstmarkt zu werden.
Bisher war die „Viennafair“ auf Kunst aus Osteuropa spezialisiert. Diese Woche wurde sie von russischen Investoren übernommen: Die bisherigen Betreiber Reed Messen haben die Lizenz für die Kunstmesse an Sergey Skaterschikov und Dmitri Yu. Aksenov vergeben. Gemeinsam mit einem Konsortium aus Wiener Sammlern und Kunstexperten wurde eine neue Betriebsgesellschaft gegründet. Die erste von ihr veranstaltete „Viennafair“ wird, wie bereits bekannt, an einem neuen Termin, nämlich im Herbst stattfinden (20.–23. September). Georg Schöllhammer und Hedwig Sachsenhuber, die erst letztes Jahr die künstlerische Leitung übernommen haben, werden bleiben.
Der „alte“ Galerienbeirat soll dagegen nur noch die Ausgabe 2012 bestimmen und anschließend neu besetzt werden, wie am Mittwoch bei der Präsentation der neuen Struktur erklärt wurde. Details, wie er das Ziel erreichen will, den Galeristen mehr Verkäufe zu bescheren, wird Sergey Skaterschikov erst im April bekannt geben. In jedem Fall gehört dazu die von seinem „spiritual leader“ Boris Marte, Vorstand Erste-Bank-Stiftung, geprägte „Vision“, eine neue Sammlergeneration aus den CEE-Ländern weiterzubilden. Und: Er möchte mit der Messe die „intellektuelle Führungsrolle für die globale Kunstindustrie“ übernehmen. Dafür wird im ersten Jahr um 50 Prozent mehr Budget als im Vorjahr (1,5 Mio. Euro) zur Verfügung stehen.
Mit der „Viennafair“ wagt Skaterschikov sich erstmals an eine Kunstmesse, am globalen Kunstmarkt ist er allerdings kein Unbekannter: Seinen Firmen gehören u.a. das Kunstmagazin „Art in America“ und das in New York sitzende Recherche-Unternehmen „Skate's“, das eine Art Aktienbörsenbeobachtung für den Kunstmarkt anbietet.
Den „wichtigen rot-weiß-roten Part“, so Reed-Vorstand Matthias Limbeck, wird ein Sammler- und Experten-Konsortium übernehmen, das mit 30 Prozent an der Viennafair-Betreibergesellschaft beteiligt ist: Mitglieder sind der ehemalige Mumok-Direktor Edelbert Köb, die Kunstsammler Bernhard Hainz, Martin Lenikus, Eduard Pomeranz, Andra Spallart, Franz Wojda sowie die Architektin Marta Schreieck.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2012)