Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Rehn stimmt Euro-Länder auf höhere Griechen-Hilfen ein

GERMANY ECONOMY EURO COIN
(c) EPA (Sven Hoppe)
  • Drucken

Privater Schuldenschnitt und 130 Mrd. Euro an Hilfen reichen wohl nicht aus: Währungskommissar Rehn deutete an, dass Athen noch mehr Geld benötigt.

Für die Rettung Griechenlands sind nach Erkenntnissen von EU-Währungskommissar Olli Rehn weitere staatliche Hilfen zwingend. Um wie geplant die Schuldenlast des Eurostaates bis 2020 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von derzeit gut 160 Prozent zu senken, werde der derzeit verhandelte Forderungsverzicht der privaten Gläubiger nicht ausreichen, sagte Rehn der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in Davos. Diese Lücke müssten die Eurostaaten und die EU-Institutionen füllen. Eine Einigung auf das zweite Rettungspaket stehe kurz bevor.

Bis vor kurzem war nicht von einer Restrukturierung der Griechenland-Forderungen der Eurostaaten, der Europäischen Zentralbank oder des IWF die Rede gewesen.

"Nichts Dramatisches"

"Wir bereiten ein Paket vor, das den Weg für eine nachhaltige Lösung freimacht", sagte der finnische EU-Kommissar auf dem Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Alpen. "Es wird dabei wahrscheinlich einen höheren Bedarf an öffentlicher Finanzierung geben, aber nichts Dramatisches."

Die Verhandlungen der privaten Gläubiger mit Griechenland über einen Schuldenschnitt befinden sich augenscheinlich in der Endphase. Der Chefunterhändler des Internationalen Bankenverbandes IIF, Charles Dallara, wollte am Donnerstagabend in Athen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Lukas Papademos zusammenkommen (mehr dazu ...).

Zweites Rettungspaket

Im Sommer 2011 wurde ein Rettungspaket geschnürt, das Staatshilfen von 130 Milliarden Euro für Griechenland vorsieht. Bedingung dafür ist allerdings ein freiwilliger Forderungsverzicht der privaten Gläubiger, der Griechenlands Schulden um rund 100 Milliarden Euro drücken soll.

Institut: EZB kann ohne Verluste helfen

Wie eine Einbeziehung der EZB funktionieren könnte, hat indes das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vorgeschlagen. Die EZB könnte griechische Staatsanleihen, die sie am Finanzmarkt mit einem Abschlag angekauft hat, zunächst zu diesem niedrigen Preis an den Rettungsfonds EFSF veräußern. Der Fonds solle dann den Differenzbetrag zwischen diesem Preis und dem Ursprungswert der Anleihen zum Schuldenerlass beisteuern. Der EFSF würde demnach die Bonds bis zum Ende der Laufzeit halten und dann den vollen Betrag zurückbekommen.

"Auf diese Weise würden Griechenlands Schulden weiter sinken", heißt es in dem IW-Papier. Die EZB werde damit nicht belastet und ihre Unabhängigkeit nicht in Zweifel gezogen. Auch der Steuerzahler bleibe von diesen Kosten verschont. "Allerdings würden die verfügbaren Hilfsmittel des Euro-Rettungsschirms dadurch etwas geschmälert", formulierte das Institut. Die EZB hält derzeit griechische Staatsanleihen im Umfang von rund 40 Milliarden Euro.

(APA)