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ÖBB zahlt für Catering von Do&Co zehn Mio. Euro pro Jahr

(c) APA (HANS KLAUS TECHT)
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Der Konzern von Attila Dogudan betreut künftig die Speisewagen der Bundesbahnen. Er tut dies günstiger als der bisherige Betreiber. Der Vertrag Wird über vier Jahre laufen.

Wien/Stef. Wer ab 1.April in einem der 85 Speisewagen der ÖBB Platz nimmt, wird beispielsweise für eine gebackene Hühnerbrust 9,90 Euro bezahlen, für einen Espresso 1,90 Euro. Attila Dogudan, dessen Cateringunternehmen Do&Co die Betreuung der Bundesbahnen übernimmt, spricht von „sehr guten Preisen“. Außerdem „werden alle Speisen frisch zubereitet“.

Für dieses Service zahlen nicht nur die Bahnkunden, sondern auch die Bundesbahnen selbst. Weil es wegen der stark schwankenden Nachfrage schwierig sei, Bordservice in Zügen gewinnbringend zu betreiben, verlangen die meisten Anbieter Zuschüsse. Das ist grundsätzlich nicht außergewöhnlich, auch andere europäische Staatsbahnen handhaben das ähnlich. Die ÖBB überweisen ab April knapp zehn Mio. Euro pro Jahr an Do&Co.

42 Mio. Euro an „Einsparungen“

Der Vertrag zwischen dem Staatsbetrieb und dem privaten Cateringunternehmen läuft über vier Jahre, mit einer Option auf Verlängerung um weitere zwei Jahre. Im Zuge der Präsentation des neuen Speisewagenbetreibers sprach ÖBB-Chef Christian Kern von „Einsparungen von 42Mio. Euro in den nächsten sechs Jahren“.

Dem bisherigen Betreiber E-Express zahlte die Bundesbahn dem Vernehmen nach jährlich rund 16Mio. Euro. Dieser Betrag soll in Zukunft um sechs bis sieben Mio. Euro geringer ausfallen, über einen Zeitraum von sechs Jahren gehen die Ausgaben laut Kern um bis zu 42Mio. Euro zurück. „Auch wir leisten unseren Beitrag zum Sparpaket“, sagt Kern. Für heuer erwartet er einen Verlust von weniger als 30Mio. Euro. Davon abgesehen schießen die Steuerzahler dem Unternehmen 4,1Mrd. Euro pro Jahr (inklusive Zahlungen für Pensionisten) zu.

Die ÖBB erwarten, dass das Service von Do&Co mehr Gäste in die Züge locken wird und sich die Ausgaben deshalb rentieren. Der private Konkurrent Westbahn, der seit Dezember zwischen Wien und Salzburg unterwegs ist, verkauft Sandwiches sowie Kaffee aus Automaten. Zusätzliche Kosten für ein Cateringunternehmen fallen deshalb nicht an. „Zwischen dem, was die Westbahn bietet, und dem, was wir bieten, liegen Welten“, meint eine Sprecherin der ÖBB.

Für Dogudan stellt der Wechsel in den Zug einen wichtigen Schritt dar. Nach einem „Testjahr“ soll der Betrieb ab dem zweiten Jahr (inklusive Zuschuss) „auf jeden Fall einen Gewinn abwerfen“ und die „Rendite pro Jahr um mindestens zehn Prozent“ gesteigert werden. Dogudan sieht ein „Potenzial von 46Millionen Passagieren, die wir als Kunden gewinnen können“. Dafür will er auch eine eigene Marke entwerfen, die demnächst vorgestellt werden soll.

Dogudan hatte sich schon in der Vergangenheit um die Bewirtschaftung der Speisewagen beworben, kam aber nicht zum Zug. Den Zuschlag sieht er als „möglichen Anfang für weitere Aufträge“ von Bahnunternehmen. Über Details wolle er diesbezüglich noch nicht sprechen, zunächst müsse sich Do&Co bei den ÖBB bewähren.

Bis Jahresende wollen die ÖBB in allen 51 „Railjets“ Speisewagen mit Sitzplätzen eingebaut haben. Derzeit finden sich in zehn Zügen noch Bistros mit Stehplätzen. Zusätzlich sind etwas mehr als 30 Fernverkehrszüge mit Speisewagen ausgestattet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)