Kulturzentrum, Bar, Technik gegen das Kinosterben

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Metro- und Haydn-Kino bauen aus und setzen auf Zusatzangebote wie Kulturzentrum oder die neueste, digitale 4-K-Technik. Demgegenüber schließen die Kinos Kepler und Gloriette für immer.

Wien. Die einen sperren zu, die anderen bauen aus. So lässt sich die momentane Situation bei den Wiener Kinos umschreiben. Zu den Gewinnern zählen dabei die Kinos Metro und Haydn, die beide ihre Spielstätten in den nächsten Monaten vergrößern. Nicht so gut erwischt haben es hingegen das seit Jahresbeginn geschlossene Kepler-Kino, das Gloriette-Kino, dem im Februar dasselbe Schicksal blüht, und die ewig strauchelnden Breitenseer Lichtspiele, die lediglich durch die Pension der 74-jährigen Betreiberin überleben.

Signal gegen Krise

Anfang Februar beginnen die Bauarbeiten des Metro-Kinos in der Wiener Innenstadt. Das Filmarchiv Austria will dort ein Filmkulturzentrum errichten – nachdem der ursprünglich dafür geplante Standort, der Augarten, ja nun den Wiener Sängerknaben zur Verfügung steht.

Ab Oktober wird das Metro-Kino auch die Beletage bespielen, die über dem denkmalgeschützten Saal liegt. Ein multifunktionaler Saal mit flexibler Bestuhlung (120 Plätze) soll dort für Filmvorführungen, Ausstellungen und Events genutzt werden. Weil wohl auch ein Kino nicht mehr ohne den Erlebnisfaktor auskommt, wird es auch eine Filmbar und einen Filmshop geben. „Das soll eine hoch qualitative Spielstätte werden mit Glamourfaktor für den österreichischen Film. Es ist auch ein Signal gegen die Kinokrise“, sagt Filmarchiv-Austria-Leiter Ernst Kieninger. Die 500.000Euro teuren Umbauarbeiten werden großteils durch zwei private Sponsoren finanziert, öffentliche Förderungen hat es keine gegeben. Pünktlich zur Viennale soll eröffnet werden.

Neuer Saal im Tresorraum

Neues tut sich auch im englischsprachigen Haydn-Kino auf der Mariahilfer Straße. Im angrenzenden einstigen Tresorraum der Bawag-Filiale soll der vierte Kinosaal entstehen. Gebaut wird seit Oktober bei laufendem Kinobetrieb. Ende April, Anfang Mai soll der neue Saal mit 4-K-Projektor (nach 3-D die neueste technische Spielerei) eröffnet werden. Warum es bei den einen so gut klappt und bei den anderen nicht, erklärt sich Haydn-Betreiber Christian Dörfler nicht nur mit der guten Lage. Der Familienbetrieb habe seit 50Jahren immer Wert auf den neuesten technischen Stand gelegt. Und es hat mit englischen Filmen wohl auch einen Bonuspunkt, den es fürs Überleben in der Kinolandschaft braucht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)

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