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Burschenschafterball: Töchterles unliebsame Nähe zu rechts

Burschenschafterball Toechterles unliebsame Naehe
(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Minister führte das Ehrenkomitee des Balls an. "Unwissentlich", sagt er. Auch Rektorenchef Heinrich Schmidinger findet sich auf der Liste.

Seine Name prangt an denkbar prominenter Stelle im Programmheft: „Seine Exzellenz Univ.-Prof. Mag. Dr. Karlheinz Töchterle“ führe das „Akademische Ehrenkomitee“ des 59.Korporationsballes, der am Freitag in der Wiener Hofburg über die Bühne ging, an – das ließen die Organisatoren die Ballbesucher auf Seite fünf des kleinen Heftes wissen. Die Aufregung im Wissenschaftsministerium, dem Töchterle seit April vorsteht, war programmiert.

Programmiert war zugleich der Erklärungsnotstand, in den das Kabinett des Ministers am Samstag geraten ist. Denn: Hatte Töchterle Freitagnacht noch mit ablehnender Verwunderung auf seine Nennung als Ehrenschutz reagiert, war tags darauf klar, das er tatsächlich zugesagt hatte. Wenn auch – wie das Ministerium betont – „unwissentlich und nicht persönlich“. Wie es zu der Zusage gekommen ist: Die Organisatoren des vor allem in linken Kreisen umstrittenen Balls schickten eine Einladung mit der Bitte, dem „Ehrenkomitee“ beizutreten. Die dem Schreiben angefügte Einverständniserklärung erhielten die Burschenschafter am 16.November auch zurück. Mit Zusage, Stempel des Ministeriums – und von einer Mitarbeiterin des Uni-Ministers unterzeichnet. Das Schreiben liegt der „Presse“ vor.

Töchterle selbst wollte am Samstag auf „Presse“-Anfrage nichts sagen. Ob die Zusage einen Fehler, eine Unachtsamkeit oder doch eher den Normalfall darstellt, konnte oder wollte man im Ministerium nicht erklären. Tatsächlich ist es in fast allen Ministerien üblich, dass derartige Einladungen – allein schon ob ihrer großen Zahl – nicht vom Ressortchef persönlich abgesegnet werden. So wurde auch die Anfrage der Burschenschafter „auf Büroebene ohne vertiefte Prüfung abgefertigt“, heißt es aus dem Ministerium. Ob ein Fehlverhalten der Mitarbeiterin vorliege, wolle man nicht beurteilen. Klar sei jedenfalls, dass der Minister die Zusage „bedauere“. Man werde „künftig mit der gebotenen Achtsamkeit vorgehen“.

„Fragwürdiges Geschichtsbild“. Pikantes Detail am Rande: Ganz unbekannt dürfte der Termin im Umfeld des Ministers nicht gewesen sein. Das Büro Töchterles habe sich vor zwei Wochen nochmals telefonisch beim Ballkomitee gemeldet – und sich entschuldigt, dass der Minister am Ballabend nicht persönlich anwesend sein könne, heißt es aus der FPÖ. Im Ministerium bestätigt man das Telefonat, legt aber Wert auf die Tatsache, dass der Anruf seitens der Organisatoren erfolgt sei. Klar ist eines: Dem beliebten ÖVP-Minister, der früher für die Grünen aktiv war, ist es unangenehm, mit Burschenschaftern in Kontakt zu kommen: „Ich möchte nicht mit Gruppen in Verbindung gebracht werden, denen ein fragwürdiges Geschichtsbild vorgeworfen wird“, ließ er der „Presse“ ausrichten.

Dass hochrangige Hochschulvertreter als Ehrenschutz beim Korporationsball auftauchen, ist immer wieder der Fall. Was nicht verwundert. Die Scientific Community ist mit den Burschenschaften, die zu den traditionsreichsten studentischen Organisationen des Landes zählen, (noch) eng verwoben. So finden sich im Ehrenkomitee viele Professoren, (Alt-)Dekane, Rektoren. Etwa Wilfried Eichlseder – Chef der Montan-Universität Leoben, die als Burschenschafterhochburg gilt. Aber auch Rektorenchef Heinrich Schmidinger (Uni Salzburg) findet sich auf der Liste. Das Dementi folgte auf den Fuß: „Ich distanziere mich und kann mir das nicht erklären“, sagt Schmidinger. „Ich lehne die Gesinnung der Ballveranstalter zutiefst ab.“ Was die Organisatoren verwundert: Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Schmidinger dem Ehrenkomitee des Balls angehörte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)