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Juden-Vergleich: Strache ortet "gezielte Manipulation"

Heinz-Christian Strache am WKR-Ball(c) EPA/FAYER / HANDOUT
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FP-Chef Strache soll am WKR-Ball einen Vergleich mit der "Reichskristallnacht" gezogen haben. Er spricht von einem "Armutszeugnis". Die IKG sieht einen Verstoß gegen das Verbotsgesetz.

Eine angebliche Aussage von FP-Obmann Heinz-Christian Strache am Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) sorgt für Wirbel. Er soll sich selbst und die übrigen Ballgäste mit den Opfern der Nationalsozialisten verglichen haben. Laut einem Bericht des "Standard" (Montagsausgabe) sagte er vor seiner Loge im Gespräch mit Ballgästen: "Wir sind die neuen Juden." Im Zusammenhang mit Brandanschlägen auf  Burschenschafterbuden soll er gesagt haben: "Das war wie die Reichskristallnacht".

FP-Chef Strache äußerte sich am Montagabend via seiner Facebook-Seite zu den Vorwürfen und sprach von "bewussten Verdrehungen" und "gezielten Manipulationen". Die Dinge seien "völlig aus dem Zusammenhang" gelöst worden. Seinen Gegnern falle "offenbar wirklich nichts mehr sachlich ein". Die Vorgehensweise gegen ihn sei ein "Armutszeugnis und Sittenbild unserer Zeit".

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) erstattete am Montag Anzeige gegen den FPÖ-Chef. "Strache verstößt mit seiner Aussage gegen das Verbotsgesetz", sagte Raimund Fastenbauer, Generalsekretär für jüdische Angelegenheiten der IKG, am Montag gegenüber DiePresse.com. Der Vergleich sei "schon sehr heftig". Die IKG forderte Strache daher auf, beim Nationalrat die Aufhebung seiner Immunität als Abgeordneter zu beantragen.

Vilimsky: "Aussage völlig verzerrt dargestellt"

FP-Generalsekretär Harald Vilimsky wies am Montag in einer Aussendung die "künstliche und lächerliche Empörung" zurück. Der Standard-Redakteur habe ein Privatgespräch "in Stasi-Spitzel-Manier belauscht und in seinem Bericht maßlos übertrieben und die Aussage völlig verzerrt dargestellt."

Strache habe lediglich gemeint, dass es methodisch an die Berichte über die NS-Zeit erinnere, wenn Studentenhäuser mit Brandsätzen attackiert und Menschen verleumdet und geradezu gejagt würden, so Vilimsky. Das Leid, das den Juden angetan wurde, habe Strache in keiner seiner Aussagen relativieren wollen. Auf die Richtigkeit des "Standard"-Zitats ging Vilimsky nicht ein.

"Geschmacklosigkeit hat einen Namen"

SP-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas kritisierte am Montag die "immer wieder bewusst gesetzten Provokationen von Strache und seinen Mannen" sowie dessen "absurdes Geschichtsbild", das vor "verharmlosender Relativierung der NS-Gräuel" nur so strotze. Derartige Äußerungen dürften nicht unbeantwortet bleiben, "sonst führt das zu einer gesellschaftlichen und politischen Verrohung".

"Geschmacklosigkeit hat einen Namen - und der lautet HC Strache", so ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch. "Kein historischer Vergleich, sei er auch noch so geschmacklos, wird gescheut, um die eigenen Kernklientel zu bedienen und sich selbst als das unschuldige Opfer hinzustellen", betonte Rauch. "Tatsache ist: Straches Wortwahl ist ein offener Schlag ins Gesicht für all jene, die Opfer des verbrecherischen NS-Systems waren", so der VP-Generalsekretär. Er rate Strache daher an, Nachhilfestunden in Geschichte zu nehmen.

Laut der Grünen Klubobfrau Eva Glawischnig sei Strache "für das österreichische Parlament absolut untragbar". "Er hat jegliche Legitimation als Politiker verspielt", sagte sie vor Journalisten. Der Grüne Karl Öllinger erklärte: "Wer heute - mehr als 70 Jahre nach den Novemberpogromen an Juden - einen derartigen Vergleich in den Mund nimmt, hat entweder keine Tassen im Schrank oder versucht, die Schrecken der Naziherrschaft zu verharmlosen." BZÖ-Bündniskoordinator Markus Fauland forderte den FP-Obmann am Montag auf, seine Aussage "schleunigst zurückzunehmen".

Novemberpogrome

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 organisierte das nationalsozialistische Regime Gewaltmaßnahmen gegen Juden. Dabei wurden rund 400 Menschen ermordet, mehr als 1400 Synagogen, Betstuben, Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Im Volksmund wurde von einer "Kristallnacht" gesprochen. Ab dem 10. November wurden etwa 30.000 Juden in Konzentrationslager deportiert. Die Progrome markierten damit den Übergang von der Diskriminierung hin zu einer systematischen Verfolgung der Juden.

(hell)