Friederike Müller-Wernhart (MindShare) über Media-Arbeit und Cannes-Jury.
Die Presse: Was werden denn die Kriterien sein, nach denen Sie als Media-Lions-Jurymitglied Ihr Urteil fällen werden?
Friederike Müller-Wernhart: Wichtig ist das gedankliche Grundgerüst für die Bewertung: Was ist die Leistung des Media-Kanals, und das ist klar von der Kraft der Kreation zu unterscheiden. Ist doch der Media Lion der Preis für die beste Nutzung der Media-Kanäle. Dieser Gedanke ist Bewertungs- und Diskussionsbasis. Aufgrund der Erfahrung von MindShare mit der erreichbaren Werbebekanntheit eines Mediaplans kommt die Einschätzung des Erfolgs der Media-Einreichung als Kriterium noch dazu.
Lässt sich die Qualität von Media-Arbeit objektiv messen? Und wenn ja - wie?
Müller-Wernhart: Die Antwort ist ein klares und deutliches Ja! Die Media-Arbeit ist objektiv messbar. Wir berechnen mit MindWare[*] für jeden Mediaplan die Mediabekanntheit, die damit erreicht wird. Jahrelange Erfahrungen auch im internationalen Bereich zeigen den Erfolg von Awareness-Berechnung. Damit wird gesichert, dass einerseits ein optimales Budget ausgegeben wird und andererseits die richtigen Media-Gattungen verwendet werden.
Wie hat sich das Auftauchen neuer Werbemöglichkeiten - Online, Sonderwerbeformen im TV, Gratiszeitungen - ausgewirkt? Sind Trends/
Entwicklungen zu beobachten?
Müller-Wernhart: Onlinewerbung ist sehr stark am Steigen, +30% gegenüber dem Vorjahr, und wird weiter ansteigen. Sonderwerbeformen und Gratiszeitungen sind aufgrund der immer jünger werdenden Zielgruppen sehr wichtig.
Gibt es länderspezifische Unterschiede in der Media-Arbeit? Was sind die Spezifika in Österreich?
Müller-Wernhart: Alleine zwischen Deutschland und Österreich besteht ein großer Unterschied im Anteil der Fernseh- und Plakatwerbung. Durch den raschen Bekanntheitsaufbau durch die Fernsehwerbung, der in Österreich möglich ist, wird Österreich gerne international als Testmarkt verwendet.
Werden viele heimische Agenturen um den Media Lion rittern und wie sehen Sie die Chancen der heimischen Bewerber?
Müller-Wernhart: Weltweit wurden 1.466 Arbeiten eingereicht - davon sind 26 Einreichungen von österreichischen Agenturen. Nach dem Erfolg aus dem Vorjahr (Media Lion für Wien Nord Pilz mit dem Liechtenstein Museum) sehe ich die Chancen der österreichischen Agenturen als sehr gut an.
Was erwarten Sie sich von Cannes?
Müller-Wernhart: Durch meine heurige Jury-Mitgliedschaft werde ich viel Erfahrung sammeln können, um ganz klar die Cannes-Maßstäbe abschätzen zu können. Denn, wenn wir nächstes Jahr einreichen, wollen wir auch gewinnen!