Kanadas Bankenaufsicht warnt vor Subprime-Krise wie in USA

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Symbolbild(c) EPA (Bartomiej Zborowski)
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Die kanadische Bankenaufsicht hat vor „wachsenden Risken“ für die Finanzbranche des Landes gewarnt. In der Kritik sind vor allem Immobilienkredite, für die häufig kein Einkommensnachweis verlangt wird.

Toronto/Bloomberg. Die kanadische Bankenaufsicht hat vor „wachsenden Risken“ für die Finanzbranche des Landes gewarnt. Sie zieht dabei Parallelen zur US-Subprime-Krise. Denn kanadische Kreditinstitute haben die Bedingungen für die Vergabe von Hypothekenkrediten stark gelockert. In der Kritik sind vor allem Immobilienkredite, für die nicht einmal ein Einkommensnachweis erforderlich ist. Die Häuserpreise in Kanada seien mittlerweile so übertrieben hoch, dass sie vor einem deutlichen Rückgang stünden.

Banken und andere Kreditgeber werben mit Hypotheken und Kreditlinien für Immobilien, bei denen das Einkommen nicht belegt werden muss. Das belegen Dokumente, die Bloomberg News im Rahmen des Auskunftspflicht-gesetzes von der kanadischen Finanzaufsichtsbehörde „Office of the Superintendent of Financial Institutions“ (OSFI) erhalten hat.

Immobilienpreise werden fallen

Diese Kredite, die gewöhnlich an Selbstständige und kürzlich Eingewanderte vergeben wurden, „weisen einige Ähnlichkeiten mit den nicht erstklassigen Krediten auf dem US-Immobilienmarkt auf“, heißt es in den Dokumenten. David Madani, ein Volkswirt bei Capital Economics in Toronto, geht davon aus, dass die kanadischen Immobilienpreise in den nächsten Jahren um 25 Prozent einbrechen werden. Der kanadische Immobilienmarkt ist nach der Rezession von 2009 hochgeschnellt.

Hypothekenzinsen nahe am Rekordtief haben die Hauspreise und die Zahl der Käufe angetrieben – im Gegensatz zur Lage in den USA, wo Verkaufszahlen und Preise seit 2007 sinken.

„Es bestehen zwar Unterschiede zwischen den Hypothekenpraktiken der USA und Kanadas, letztendlich weist der kanadische Markt jedoch klassische Anzeichen für eine Blasenbildung auf“, warnt Madani. Er verweist auf die überhöhten Preise, die hohe Hausbesitzquote im Land und zu viele Neubauten.

„Am meisten Sorgen macht es uns, dass diejenigen, die am stärksten gefährdet sind, so extrem hohe Kredite aufnehmen“, erklärte Mark Carney, der Gouverneur der kanadischen Zentralbank, kürzlich vor Journalisten. Dies stelle auch die größte Gefahr für die Kreditinstitute des Landes dar.

Hohe Anzahlung reicht meist

Die Verschuldung der Kanadier kletterte im dritten Quartal auf das Rekordhoch von 153 Prozent ihres verfügbaren Einkommens, wie aus Daten des kanadischen Statistikamtes hervorgeht.

Diese Kredite, für die man keinen Einkommensnachweis benötigt, stellten ein höheres Risiko als gewöhnliche Hypotheken dar, da sie zudem mit variabler Verzinsung angeboten werden, meint man bei der Finanzaufsicht OSFI. Als Sicherheit dient in solchen Fällen die (zu einem hohen Preis erworbene) Immobilie. Voraussetzung für solche Darlehen ist in der Regel eine hohe Anzahlung bei der Kreditaufnahme.

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