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Die Pläne der neuen ORF-Fernsehchefin: „Ich bin zuständig für alles“

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
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ORF-Heimkehrerin Kathrin Zechner gab nach ihrem ersten Monat im Haus eine Idee ihrer Fernsehpläne. Änderungen im Programm wird der Seher erst ab Herbst spüren. Von den Mitarbeitern verlangt sie mehr Mut.

Wer die Ankündigung spektakulärer Reformen oder die Ouvertüre zum großen Köpferollen erwartet hat, wurde am Dienstag von Kathrin Zechner enttäuscht. Exakt einen Monat hat sich die drahtige, quirlige Person Zeit genommen, um die Strukturen und Menschen des Hauses, das sie 2002 in Richtung Vereinigte Bühnen verlassen hat, wieder besser kennenzulernen – und erst dann das erste Wort an die Presse zu richten.

Es sind wohldosierte, herzliche Worte, die die ORF-Heimkehrerin für ihre Vorhaben findet. Allzu viel will sie noch nicht verraten. Derzeit befinde sie sich in einem „Evaluierungsprozess“ und in einer „Bestandsaufnahme“ des Programms und der privaten Konkurrenz, beides soll bis Ostern abgeschlossen sein. Erst danach werden erste kleine Adaptierungen des Programms kommen, große Veränderungen wird der Zuseher wohl erst ab Herbst bemerken. Der Entwicklungsprozess der beiden Flagschiffe ORF eins und ORF2 werde „sicher nicht zwei Monate, sondern meine gesamte Amtsperiode dauern“, sagt sie.

Wie wenig ihr daran liegt, mit großen Reformvorhaben zu protzen, zeigt auch der Name, den sie ihrem Vorhaben gibt: eine „Step-by-Step-Programmreform-Kette“. Das klingt zwar nicht so schillernd wie die von Alexander Wrabetz 2007 angekündigte „größte Programmreform aller Zeiten“, aber damit läuft sie wenigstens nicht Gefahr, hochgesteckte Erwartungen zu enttäuschen.

Sie will ORF eins als „jungen, modernen, urbanen Sender“ weiterentwickeln und mit Eigenproduktionen anreichern, um dort „einen eleganten Prozentsatz Marktanteil“ zuzulegen. Und ORF2 soll weiter der „zutiefst österreichische, heimatverbundene Sender mit dem Fenster zur Welt“ bleiben.

In den nächsten ein bis eineinhalb Jahren will sich Zechner auf den Vor- und Hauptabend konzentrieren und erst später „in den Mittag vorrücken“. Weil dort auch die jungen Seher abzuholen seien. „Große Herausforderungen“ seien der Dienstag und Donnerstag. „Das Frühstücksfernsehen verdränge ich“, sagt sie und lacht: „Weil ich es so gern machen würde, es mir aber in der ersten Zeit nicht leisten werde können.“ Etwas konkreter sind die Pläne für eine neue Daily Soap: „Da sind zwei, drei Produzenten schon heftig am Arbeiten. Wir schauen dann, ob der Stoff tauglich ist und ob wir uns das leisten können.“

Auf die teils schwachen Quoten bei den Diskussionssendungen angesprochen, gibt Zechner ausweichend Antwort: Man tendiere dazu, prinzipiell gut funktionierende Dinge so oft zu wiederholen, „bis der Zuseher erschöpft in den Sessel zurückfällt“. Grundsätzlich wünscht sie sich für alle Diskussionen „eine bessere Gästerecherche“ – und dann kommt sie ins Schwärmen: von der unvorstellbar großen Redaktion eines Günter Jauch bei der ARD, die dem Moderator jede Woche drei komplett fertige Themen mit Gästen vorbereiten kann.

Und dann will sie auch etwas am Klima des Hauses ändern. Im Haus sei man zu sehr auf die Meinung der Medien und der Vorgesetzten bedacht, deshalb wolle sie ihre Mitarbeiter, die „schon auf einem hervorragenden Niveau arbeiten“, zu mehr Mut animieren: „Mut zur Erneuerung, Mut zu gewinnen und zu verlieren. Wir probieren aus und wenn wir scheitern, kommt das nächste.“

Zechner auch für Information zuständig

Sehr konkret Antwort gibt Zechner auf die Frage, ob sie sich auch als Informationschefin sieht. Es halten sich hartnäckig die Gerüchte, Wrabetz wolle die Oberhand über diesen Bereich behalten. „Das ist ein Irrgeist“, sagt sie. „Ich habe mich für den gesamten Bereich beworben, und ich bin auch für alles zuständig.“ Diese Fakten würden auch durch den Alltag bestätigt: „Und der heißt: Ich habe neun Abteilungen.“

Zu Personalrochaden und dem möglichen Aus von Dominic Heinzls Sendung „Chili“ schweigt sie. Auch bei der Causa Pelinka bleibt sie wortkarg. Sie habe den Diskurs mit den Redakteuren, die sie gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit zu einer Redakteursversammlung eingeladen hatten, als „ehrlich, konstruktiv und auch als erfreulich“ empfunden: „Ich bin aber froh, wenn diese Themen abgehandelt sind und wir uns wieder auf das Programm konzentrieren können.“

Dabei steht auch in ihrem Team eine Postenbesetzung an: die Leitung der neuen Hauptabteilung „Programminnovation“. Wer die erhält, werde demnächst bekannt, sagt sie. Aber sei nicht bereits fix, wer den Job bekommt? Kolportiert wird Radiochefredakteur Stefan Ströbitzer. Die Redakteure, die bei der Besetzung von Leitungsfunktionen ein Vorschlagsrecht haben, halten sowohl Dodo Roscic, Klaus Unterberger als auch Ströbitzer für geeignet. Kathi Zechner seufzt bei der Pressekonferenz, spätestens jetzt spürt sie, dass sie wieder im ORF angekommen ist: „Man kann nicht korrekt genug ausschreiben und bewerten, ohne dass einem unterstellt wird, es sei schon alles ausgemacht.“