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Kapitalflucht: "Schweizer Banken mieten Hotelsafes"

In this photo taken Wednesday, Jan. 11, 2012, the Jungfrau mountain in the Alps is illuminated by Swi
(c) AP (Alessandro Della Bella)
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Italiens Steuerfahnder schlagen Alarm: Die Einwohner schaffen enorme Geldmengen über die Grenze in die Schweiz.

Alleine von Oktober bis Dezember 2011 haben die Italiener mindestens 11 Milliarden Euro illegal aus ihrem Land gebracht. Und damit ist noch lange nicht die Spitze des Eisbergs erreicht, ist Italiens oberster Steuerfahnder, Attilio Befera, überzeugt. In einem Interview mit der Tageszeitung "La Repubblica" sagte er, im Jänner habe die Kapitalflucht in die Schweiz weiter zugenommen. "Manche Banken haben bereits damit begonnen, die Safes großer Hotels anzumieten, weil sie nicht mehr im Stande sind, die explodierende Anfrage von italienischen Kunden zu bewältigen", so Befera.

An der Grenze habe die Polizei in den letzten drei Monaten des Vorjahres um 50 Prozent mehr Geld beschlagnahmt, berichtet der oberste Steuerbeamte. Auch die Ausfuhr von Goldbarren in die Schweiz habe um bis zu 40 Prozent zugenommen. Alte Schmugglerrouten aus den 1970er und 1980er Jahren seien wieder aktiviert worden, berichtet Befera weiter.

Aus der Schweiz gibt man sich derzeit noch bedeckt zum angeblichen Massenansturm. Schätzungen zufolge liegen bis zu 160 Milliarden Euro an italienischen Schwarzgeldern in der Schweiz. Dass die Banken bereits Hotelsafes anmieten müssen, haben jedenfalls weder Hoteliers noch Geldinstitute gegenüber dem Züricher "Tages-Anzeiger" bestätigt.

Zittern vor der "großen Frühlingswende"

Die Steuerhinterziehung ist in Italien derzeit ein besonders brisantes Thema, da sich einiges ändern wird: Seit 1. Jänner 2012 hat die Steuerfahndung nämlich Zugang zu allen italienischen Bankkonten. Das Parlament hat dieses Gesetz 15 Jahre lang blockiert, unter der Regierung Mario Monti wurde es endlich umgesetzt. Die Daten sollen im  Mai mit den Steuererklärungen der Italiener abgeglichen werden.

Der oberste Finanzbeamte Befera spricht von der "großen Frühlingswende". Die Gegner - meist aus dem rechten Lager - sprechen von "Big-Brother-Methoden". Die Tageszeitung "Repubblica" schreibt: "Der Krieg gegen die Steuerhinterziehung hat jetzt begonnen".

(sk)