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Monti: Das ganze Leben derselbe Job ist "langweilig"

Monti ganze Leben derselbe
(c) EPA (MASSIMO PERCOSSI)
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Italiens Regierungschef Mario Monti tappt ins Fettnäpfchen. Die Empörung ist groß. Ein Drittel der 15- bis 24-jährigen im Land ist arbeitslos.

Seit seinem Amtsantritt als seriöser und nüchterner Regierungschef, der Italien sanieren will, erfreut sich Mario Monti großer Beliebtheit bei seinen Landsleuten. Doch nun hat er sich einen Patzer geleistet, als er erklärte, ein Leben lang denselben Job zu machen, sei "langweilig". Auf Montis Facebook-Seite hagelte es daraufhin Kritik. "Es ist so langweilig, 350 Euro im Monat zu verdienen", schrieb ein Internetnutzer.

"Sie sollten sich schämen", kommentierte ein anderer. "Wie konnten Sie nur so etwas Dummes sagen", erboste sich ein Dritter in dem sozialen Online-Netzwerk. "Akademiker arbeiten als Türsteher, um zu überleben." Ein früheres Mitglied der Regierung von Montis Vorgänger und Antipoden Silvio Berlusconi, Gianfranco Rotondi, fand die Bemerkung des früheren Wirtschaftsprofessors "respektlos".

"Monti sollte fristlos entlassen werden"

In einer Fernsehshow hatte Monti am Mittwochabend gesagt: "Junge Leute müssen sich daran gewöhnen, dass sie nicht das ganze Leben einen festen Job haben werden." Dieselbe Arbeit ein Leben lang sei außerdem "langweilig". Es ist schön, zu wechseln und sich neuen Herausforderungen zu stellen", kommentierte Monti.

Monti versicherte, er selber werde nicht lang im Amt bleiben, maximal bis zum Ende der Legislaturperiode im April 2013. "Ich hoffe, dass ich bis dahin noch am Leben bin", scherzte er in Anspielung auf die Hürden, die seiner Regierung im Kampf gegen die Schuldenkrise noch bevorstehen. Seine Worte lösten heftige Kritik aus. "Monti sollte fristlos entlassen werden. Seine Aussagen sind ein Affront für die Millionen von Italienern in finanziellen Nöten", sagte ein Sprecher der Linkspartei FDS.

Italien will mehr Flexibilität für Arbeitsmarkt

Die Chefin des stärksten italienischen Gewerkschaftsverbands CIGL, Susanna Camusso, meinte, man müsse zwischen positiver und negativer Flexibilität des Arbeitsmarkts unterscheiden. "Wir wollen die negative Flexibilität, das heißt prekäre Arbeitsverhältnisse, bekämpfen", betonte Camusso. Der Chef des Gewerkschaftsverbands CISL, Luigi Angeletti, betonte, dass Italien einen Beschäftigungsnotstand erlebe. 250.000 Arbeitsplätze würden bis Ende 2012 gefährdet sein. "Dieser Notstand muss dringend in Angriff genommen werden", meinte Angeletti.

Arbeitsministerin Elsa Fornero bekräftigte, dass die Reform zur Flexibilisierung des Arbeitsmarkts für Italien eine dringende Notwendigkeit sei. Demnach soll es für Unternehmer einfacher werden, Mitarbeiter einzustellen und zu entlassen. Flexible Beschäftigung soll für den Arbeitgeber teurer werden. Die Umwandlung eines zeitlich befristeten Arbeitsvertrags in einen unbefristeten soll mit Steuerbegünstigungen aktiv gefördert werden. Die Regierung werde auch ohne die Zustimmung der Gewerkschaften die Arbeitsmarktreform durchsetzen.

Ein Drittel der Jungen hat keinen Job

Heikelster Aspekt von Montis Arbeitsmarktreform ist die Revision des Paragrafen 18 im Arbeitsgesetzbuch, der Arbeitnehmern mit unbefristeten Verträgen einen weitgehenden Kündigungsschutz garantiert. Die Aufweichung soll die Hürde für Neueinstellungen verringern. Dagegen wehren sich die Arbeitnehmerorganisationen heftig. Paragraf 18 sei ein Eckpfeiler des italienischen Arbeitssystems.

Nach jüngsten Zahlen liegt die Arbeitslosigkeit in Italien bei 8,9 Prozent. Fast ein Drittel der jungen Leute zwischen 15 und 24 Jahren, die nicht mehr in der Ausbildung sind, haben keinen Job.

(Ag.)