Griechenland reißt Loch in Uniqa-Bilanz

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Wertberichtigungen auf griechische Staatsanleihen haben der heimischen Assekuranz einen Verlust beschert, der größer ausfällt als ursprünglich erwartet. 2010 konnte der Konzern ein plus 153 Mio. Euro verbuchen.

Wien/Apa/Nst. Die heimische Uniqa-Versicherung ist im abgelaufenen Geschäftsjahr noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht als ursprünglich erwartet. Nach vorläufigen Zahlen betrug das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) minus 330 Mio. Euro. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte das Unternehmen einen Verlust zwischen 250 und 300 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2010 konnte der Konzern ein EGT von plus 153 Mio. Euro verbuchen.

Das Ergebnis 2011 wurde vor allem von Abschreibungen auf griechische Anleihen belastet. Die staatlichen Schuldverschreibungen stehen nunmehr mit rund 22 Prozent ihres Nominalwerts in den Büchern. Das entspricht einem Marktwert von knapp hundert Mio. Euro. Im Ergebnis hat sich das mit 346 Mio. Euro zu Buche geschlagen.

Banken und Versicherungen sollen im Zuge eines Schuldenerlasses für Griechenland auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Viele Finanzkonzerne sind in den vergangenen Monaten daher dazu übergegangen, ihr Engagement in Griechenland zurückzufahren.

Noch per Ende Juni war die Uniqa-Versicherung mit 1,578 Mrd. Euro in den schuldengeplagten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien Irland, Griechenland, Spanien) engagiert. Über ihr derzeitiges Exposure in diesen Ländern wollte das Unternehmen keine Angaben machen. Der endgültige Konzernbericht soll erst im April vorliegen. Erst dann könne man genaue Zahlen präsentieren, heißt es aus dem Unternehmen.

Konkurrent Vienna Insurance Group hat im Vorjahr ebenfalls Wertberichtigungen auf griechische Anleihen vorgenommen. Bei der Präsentation der Zahlen Ende Jänner gab das Unternehmen an, Hellas-Bonds mit nunmehr 30 Prozent ihres ursprünglichen Werts in den Büchern stehen zu haben. In Summe sind die Aktivitäten der Assekuranz in den PIIGS-Staaten aber deutlich geringer als die der Uniqa, weil sie vorläufigen Zahlen zufolge bloß 84 Mio. Euro erreichen.

600 Stellen werden abgebaut

Doch nicht nur Abschreibungen auf Hellas-Bonds belasten das Ergebnis der Uniqa. Der Konzernumbau drückt es ebenso– die Kosten belaufen sich auf 190 Mio. Euro. Das Unternehmen will bis zur heurigen Jahresmitte 200 Mitarbeiter in der Zentrale abbauen. Weitere 400 Stellen sollen bis 2014 gestrichen werden.

Erst Ende November hatte die Assekuranz den Verkauf ihrer Anteile an der Mannheimer-Gruppe angekündigt– die Uniqa hatte sie sich Jahre zuvor einverleibt. Der Verkauf, über dessen Preis Stillschweigen vereinbart worden war, ist allerdings noch nicht ergebniswirksam. Ein Abschluss des Deals wird für das erste Quartal dieses Jahrs erwartet.

Uniqa-Vorstand Andreas Brandstetter hatte bei seinem Amtsantritt Anfang Juli 2011 verkündet, sich stärker auf Osteuropa und das Kerngeschäft konzentrieren zu wollen. Das Unternehmen denkt zudem daran, im kommenden Jahr neue Aktien auszugeben, um den Streubesitz zu heben. Dieser liegt derzeit bei unter zehn Prozent. Das Unternehmen gehört unter anderem zur Raiffeisen-Gruppe. Im zweiten Quartal will der Konzern einen entsprechenden Zeitplan vorlegen.

Einen Ausblick für 2012 wagte das Unternehmen allerdings nicht. Dieser soll ebenfalls erst im April, bei der Präsentation des endgültigen Geschäftsergebnisses, gegeben werden. Die Aktien der Uniqa lagen am späten Freitagnachmittag bei rund 11,5 Euro leicht im Plus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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