Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Orange-Verkauf wackelt trotz Unterschrift

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
  • Drucken

„3“ will Orange um 1,3 Milliarden Euro kaufen. Davon profitiert auch Marktführer A1. Kritiker fürchten das Ende der billigen Preise. Für die Wettbewerbshüter ist eine Zustimmung nur „schwer vorstellbar“.

Wien/Auer. Österreichs Mobilfunkmarkt verliert seinen vierten Anbieter: Was „Die Presse“ bereits vor Wochen berichtete, wurde am Freitag offiziell. Österreichs kleinster und jüngster Handynetzbetreiber „3“ kauft den zweitkleinsten Anbieter Orange für 1,3 Mrd. Euro. Durch den Deal rückt aber nicht nur „3“ auf den dritten Platz vor, auch der Branchenprimus A1 (Telekom Austria) legt zu. Denn für 390 Mio. Euro will die Hongkonger „3“-Mutter Hutchison nach dem Orange-Kauf Frequenzen, Infrastruktur und die Orange-Diskonttochter „yesss!“ an A1 weitergeben.

Wenn es so weit kommt. Denn die Unterschriften der bisherigen Orange-Eigner France Télécom und Mid Europa Partners am Kaufvertrag sind kaum trocken, da wackelt der Deal schon wieder: „Ein Okay für dieses Paket ist, so wie es derzeit ausschaut, schwer vorstellbar“, sagte Stefan Keznickl, Sprecher der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) am Freitag. Der Rückgang von vier auf drei Anbieter reduziere den Wettbewerb in jedem Fall. Man werde mögliche Auswirkungen auf die Konsumenten „genau“ prüfen. Keznickl räumte allerdings ein, dass seiner Behörde noch keine Details zur Fusion bekannt waren.

A1 dominiert Billigsegment

Formal muss der geplante Kauf ohnedies bei der EU-Kartellbehörde in Brüssel angemeldet werden, da der weltweite Umsatz der beteiligten Unternehmen über fünf Mrd. Euro liegt. Aus der Branche ist allerdings zu hören, dass die BWB dennoch gerne ein Wörtchen mitreden will. Die Wettbewerbshüter interessieren sich vor allem für die neuen Machtverhältnisse auf dem Markt. Gemeinsam werden Orange und „3“ künftig einen Anteil von 22 Prozent erreichen. T-Mobile kommt auf 31 und A1 auf 47 Prozent. Es gilt als fix, dass die EU-Behörden eine vertiefte Prüfung durchführen werden. Das war schon so, als es hierzulande noch fünf Mobilfunker gab und Tele.ring an T-Mobile verkauft wurde. „3“ und Orange rechnen damit, dass sie noch im Sommer grünes Licht aus Brüssel bekommen. Schließlich gibt Hutchison ja große Teile von Orange an A1 ab, um Einsprüche der Konkurrenten im EU-Verfahren zu verhindern.

Genau das könnte den Unternehmen nun allerdings zum Verhängnis werden, warnt Telekomexperte Andreas Kreutzer im Gespräch mit der „Presse“: A1 erhält nicht nur ein Viertel aller Frequenzen von Orange und „3“, hunderte Basisstationen und die Rechte am Namen „One“, sondern vor allem auch die Orange-Diskont-Tochter „yesss!“ mit ihren 740.000 Kunden. Gemeinsam mit „bob“ hätte A1 dann beide Hauptkonkurrenten am Diskontsegment unter einem Dach vereint. Scheitert dieser Deal am Einspruch der Kartellbehörde, könnte der gesamte Orange-Verkauf kippen.

(c) DiePresse

Ende für den Preiskampf?

Solange das nicht geklärt ist, ändert sich für die Orange- und „3“-Kunden nichts, sagte „3“-Chef Jan Trionow am Freitag vor Journalisten. Bis der Kauf genehmigt sei, würden beide Unternehmen eigenständig auf dem Markt agieren. Danach werde die Marke Orange schrittweise verschwinden, die Rufnummern und bestehende Verträge von Orange-Kunden würden jedoch nicht geändert. Sie würden stattdessen von deutlich verbesserter Netzqualität profitieren, versicherte Trionow.

Die Hutchison-Tochter hatte lange Zeit Probleme, am heimischen Markt Fuß zu fassen. Doch Konzernchef Li Ka-Shing pumpte viel Geld in einen gewaltigen Netzausbau und positionierte „3“ konsequent als Preisbrecher auf dem Markt, um Kunden zu locken. Trionow mühte sich, Befürchtungen, dass dieser Preiskampf mit der Übernahme ein Ende finden könnte, zu zerstreuen. „Wir werden weiter aggressiv auf dem Markt auftreten“, versicherte er am Freitag.

Auch Orange-Chef Michael Krammer, der sich nach der Fusion eine neue Aufgabe wird suchen müssen, ist überzeugt, dass die Konsolidierung den Kunden letztendlich sogar günstigere Preise bringe. Ohne diese Marktbereinigung wäre der Preiskampf auf Kosten der Netzinvestitionen und der Servicequalität gegangen. Kreutzer sieht das anders: Auch wenn er keinen abrupten Preisanstieg erwartet, sei die Wahrscheinlichkeit steigender Preise durch den Deal doch deutlich höher geworden.

500 Mio. Euro Einsparungen

Für „3“ soll die Fusion langfristig Einsparungen von 500 Mio. Euro bringen. Das wird nicht nur durch den Verkauf von überflüssiger Infrastruktur zu schaffen sein. Auch auf die 800 Orange- und 570 Hutchison-Mitarbeiter kommen unsichere Zeiten zu. Trionow betonte zwar, dass beide Unternehmen „schlank aufgestellt“ seien. Dennoch werde auch hier einiges „in Bewegung kommen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)