Frost während der Semesterferien: Ist es eine Skifahrwoche? Ist es eine Eislaufwoche?
Im Ohrensessel mit lang ausgestreckten Beinen sitzend und eine Kolumne in der „Presse“ lesend mit dem Aufruf, doch angesichts der winterlichen, um nicht zu sagen hochwinterlichen Temperaturen eislaufen zu gehen, rufe ich meine Lebensmenschen laut, aber nicht zu laut, zu mir, die auch tatsächlich nach zwei oder drei oder vier dutzendmaligem „Kommt!“, „So kommt doch zu mir!“ Rufen langsam, aber nicht zu langsam, um mich herum Aufstellung nehmen, um mich meine Ausführungen betreffend die unmittelbar bevorstehenden Semesterferien beginnen zu lassen, die von manchen bis zum heutigen Tag in einer mir durch und durch verhassten Art und Weise noch immer als Energiewoche bezeichnet werden und dadurch an die Zeit des viel zu spät pensionierten Bruno Kreisky erinnern, eine Zeit also, die nur als Unzeit bezeichnet werden kann, selbst wenn sie sich mittlerweile – und daran besteht absolut kein Zweifel mehr – angesichts der heute allgegenwärtigen politischen Agonie und angesichts des heute agierenden, sogenannten politischen Personals auf der sogenannten politischen Bühne dieses Staats, den ich wie keinen anderen auf dieser Welt liebe, in einem Ausmaß und mit einer Geschwindigkeit zum Schlechteren und immer noch weiter Schlechteren verändert hat, sodass sensible Naturen von morgens bis abends und jetzt auch schon des Nachts in immer kürzer werdenden Abständen erschaudern, während ich also über die Vorzüge des Skifahrens gegenüber dem Eislaufen einerseits und die Vorzüge des Eislaufens gegenüber dem Skifahren andererseits sinniere, habe ich längst entschieden, womit ich mir die nächsten Tage, wie gesagt wird, zu vertreiben gedenke, um damit jede schlechte Laune zu vertreiben, indem ich zu einem Buch des (ist es Bösartigkeit? ist es Stumpfsinn?) als Tragöden verunglimpften Lieblings-Spaßmachers greife mit dem Titel Frost.
E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)