Viele haben den Aktienmärkten ein düsteres erstes Halbjahr prognostiziert. Wie sich die Märkte in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen.
Wien/Bloomberg/Red. Der beste Börsenmonat seit 1994 hat zahlreiche Analysten rund um den Globus auf dem falschen Fuß erwischt. Noch zu Jahresende 2011 waren viele Experten davon ausgegangen, dass das erste Halbjahr 2012 von Verlusten an den Kapitalmärkten geprägt sein würde.
Mary Ann Bartels von der Bank of America hatte dem Standard & Poor's 500 Index Ende Dezember– er erfasst die 500 größten Unternehmen der USA– in den ersten sechs Monaten dieses Jahres einen Kursverfall von rund 15 Prozent prophezeit. In diesem Jahr ist der Index bislang um knapp vier Prozent gestiegen.
Noch ist das Halbjahr allerdings nicht zu Ende. Wie sich die Märkte in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist schwer vorherzusagen. Rückblickend lässt sich feststellen, dass der MSCI All-Country World Index im Jänner um knapp sechs Prozent zugelegt hat. Bei Goldman Sachs und Barclays war man vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise eher von einem düsteren ersten Halbjahr ausgegangen.
Währungen wie die indische Rupie oder der brasilianische Real sind gegenüber dem Dollar ebenfalls, und zwar um rund sieben Prozent, gestiegen. Auch Bankaktien und Rohstoffe wie Silber waren im Jänner nachgefragt. Noch im abgelaufenen Jahr zählten Finanztitel allerdings zu den schlechtesten Performern auf den Aktienmärkten. Hohe Unsicherheiten über Abschreibungen auf griechische Anleihen und neue Eigenkapitalvorschriften hatten Aktionäre verschreckt.
EZB-Geldspritze hilft Märkten
Die derzeitige Rallye an den Märkten ist jedoch auch von der Geldspritze der Europäischen Zentralbank getrieben. Die EZB hat den Banken im Dezember Liquidität im Ausmaß von knapp 500 Mrd. Euro für die Dauer von drei Jahren zur Verfügung gestellt. Ein Teil des Geldes wurde von den Instituten zwar wieder bei der Zentralbank hinterlegt. Das Kapital wurde jedoch auch für Staatsanleihenkäufe genutzt. Besonders irische Anleihen haben davon profitiert. Die Kurse der Schuldverschreibungen sind in den vergangenen Wochen stärker als Anleihen anderer Eurostaaten gestiegen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)