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Russland: Größte Massenproteste seit 20 Jahren

Russland Groesste Massenproteste seit
REUTERS/Denis Sinyakov
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Trotz extremer Kälte gehen vier Wochen vor der Wahl rund 200.000 Russen auf die Straße. Putin hält Druck auf Beamte zur Teilnahme für möglich.

Bei Massendemonstrationen in Russland haben Gegner und Anhänger von Präsidentenkandidat Wladimir Putin insgesamt rund 200.000 Menschen auf die Straße gebracht. Die Zahl der Putin-Kritiker lag laut Polizei am Samstag noch einmal höher als bei den bisher größten Anti-Regierungsprotesten seit 20 Jahren.

Demnach versammelten sich bei eisigem Frost von fast minus 20 Grad Celsius etwa 36.000 Putin-Gegner in Moskau, rund 7.000 mehr als am 24. Dezember. Die Opposition sprach dagegen sogar von 120.000 Teilnehmern, die eine ehrliche Präsidentenwahl am 4. März sowie mehr politische Freiheiten und einen demokratischen Wandel forderten.

Putin hält es für möglich, dass Staatsbeamte mit Druck zu einer Teilnahme an einer Unterstützerkundgebung gebracht wurden. "Aber bei so vielen Menschen können unmöglich alle gezwungen worden sein", sagte der Regierungschef am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Gegenkundgebung: "Putin ist super!"

Bei einer Gegenkundgebung von Anhängern des Ex-Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten Putin protestierten vor allem Beschäftigte von Staatsunternehmen sowie Lehrer gegen die Gefahr einer Revolution. "Putin ist super!" und "Chaos - nein, Putin - ja!" war auf Transparenten zu lesen. Im Internet hatten sich zuvor viele Beschäftigte staatlicher Einrichtungen wie Behörden, Schulen und Krankenhäusern darüber beklagt, zur Teilnahme an der Putin-freundlichen Kundgebung gezwungen zu werden.

Das Lager von Putin (59), der nach zwei Amtszeiten von 2000 bis 2008 erneut in den Kreml strebt, brachte 138.000 Unterstützer auf die Straße, wie die Polizei nach Angaben der Agentur Interfax mitteilte. Unabhängige Angaben lagen nicht vor. Falls die Organisatoren der Pro-Putin-Demonstration eine Strafe dafür zahlen müssten, dass mehr Unterstützer kamen als angemeldet, sei bereit, Geld beizulegen, sagte der Präsidentenkandidat Putin. Bereits zuvor hatte er betont, er sei wie seine Unterstützer gegen eine Revolution in Russland.

 

Die Behörden hatten erstmals einen Protestzug der Opposition mit angemeldeten 50.000 Demonstranten durch das Zentrum zugelassen. Putins Gegner fürchten, dass der Regierungschef bei einer gefälschten Wahl zum dritten Mal in den Kreml einzieht. Er absolvierte bereits von 2000 bis 2008 zwei Amtsperioden als Präsident, ehe er wegen einer Verfassungsbeschränkung zunächst an Dmitri Medwedew übergeben musste.

9000 Sicherheitskräfte im Einsatz

In der Hauptstadt waren 9000 Sicherheitskräfte im Einsatz. Die Agentur Interfax meldete aus zahlreichen Städten Kundgebungen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmern.

Die Führung in Moskau sieht sich seit der umstrittenen Parlamentswahl vom 4. Dezember mit der größten Protestbewegung konfrontiert, seit Putin im Jahr 2000 zum ersten Mal Staatschef wurde. Die Regierungskritiker trugen bei ihrer Demonstration am Samstag erneut weiße Bänder als Zeichen ihrer Protestbewegung. "Wir werden demonstrieren, bis sie gehen", war mit Blick auf Putin und Präsident Medwedew auf Transparenten zu lesen. Auch die Zulassung des ausgeschlossenen Oppositionspolitikers Grigori Jawlinski zur Präsidentenwahl wurde gefordert. "Hier sind Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Ansichten versammelt - Linke, Rechte, Nationalisten, alle", sagte Antikorruptionsaktivist Alexej Nawalni, eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung.

(APA)