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Beweise für bisher unentdeckte Atomtests Nordkoreas

Beweise fuer bisher unentdeckte
(c) ASSOCIATED PRESS (Defense Threat Reduction Agency)
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Dass das stalinistische Regime in Nordkorea an Atomwaffen baut, ist bekannt. Vom schwedischen Nuklearphysiker Lars-Erik De Geer kommen nun weitere unangenehme Neuigkeiten.

Stockholm/Wien/Wg/Ag. Dass das stalinistische Regime in Nordkorea an Atomwaffen baut, ist bekannt: 2006 und 2009 gab es dort zwei unterirdische Atomexplosionen, das Land soll ein paar funktionierende Bomben besitzen. Vom schwedischen Nuklearphysiker Lars-Erik De Geer kommen nun weitere unangenehme Neuigkeiten: Er will Beweise für zwei unentdeckte A-Tests anno 2010 gefunden haben – und glaubt, dass Nordkorea an „sprengkraftverstärkten“ Bomben bastelt.

De Geer ist bei der Schwedischen Verteidigungsforschungsagentur. Fachgebiet: Ausbreitung radioaktiver Stoffe in der Atmosphäre. Im Mai 2010 spürten Messgeräte in Südkorea, Japan und Russland eine Wolke radioaktiver Isotope (Varianten von Atomen) auf, etwa Xenon-133 und Barium-140. Sie entstehen bei unterirdischen Atomexplosionen und können ins Freie gelangen. Gerade Barium-140, sagt De Geer, habe man früher in Schweden stets kurz nach unterirdischen A-Tests der Sowjets gemessen. Aus dem Isotopenmix und den Wetterverhältnissen schließt er, dass die Quelle in Nordkorea war und es zweimal krachte: April und Mai 2010.

Skeptiker wenden ein, dass kein seismisches Messsystem weltweit die angeblichen Explosionen registrierte und die Isotope aus Kernreaktoren stammen könnten. De Geer schreibt aber in der Märzausgabe des Magazins „Science and Global Security“, dass die Explosionen so extrem schwach gewesen (Sprengkraft je gut 50 bis 200 Tonnen TNT) und sie besonders „abgepuffert“ gewesen sein könnten, sodass sie unterhalb der Reizschwelle von Seismografen waren.

Vergleich: Die Hiroshima-Bombe 1945 entsprach 13 Kilotonnen (also 13.000 Tonnen) TNT, moderne Bomben wie die strategischen „W87“-Gefechtsköpfe der USA entsprechen 475 Kilotonnen (KT). Schon Nordkoreas frühere A-Tests waren mit 0,9 bzw. 4,6 KT extrem schwach, weshalb man vermutet, dass zumindest die erste Bombe fehlzündete und nur teilweise hochging; beide wurden aber weltweit von Erdbebenwarten bemerkt.

 

„Turbo“ für die Bombe

Schwache Explosionen seien auch typisch für erste Experimente mit Sprengkraftverstärkern: Das sind Kapseln mit den Wasserstoffisotopen Deuterium und Tritium, die man in eine A-Bombe packt. Zündet sie, fusionieren Deuterium und Tritium und emittieren Neutronen, die die Kernspaltung fördern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)