Doping: Alberto Contador gesperrt

(c) EPA (NICOLAS BOUVY)

Der Spanier behauptete, das verbotene Kälbermastmittel sei durch verunreinigtes Fleisch in seinen Körper gelangt. Das Gericht glaubte ihm nicht und strich seinen Toursieg.

Lausanne/Wien. Alberto Contador hatte lange auf das Urteil warten müssen. Und mit ihm die Radsportgemeinde. Lange, genau seit 21.Juli 2010, als Contador während der Tour de France positiv auf Clenbuterol getestet wurde.

Montagmittag verkündete der Internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne sein Urteil in der Causa. Die Richter der höchsten Instanz befanden den 29-jährigen Spanier für schuldig, das Kälbermastmittel Clenbuterol verwendet zu haben. Jenes Präparat, das bei Masttieren den Muskelaufbau unterstützen soll und das in der EU nicht mehr eingesetzt werden darf. Bei Contador waren zwar nur minimale Spuren von Clenbuterol nachgewiesen worden. Genau deshalb ordnete der Internationale Radsportverband UCI besonders gründliche Untersuchungen an.

Contador hatte sich unter anderem damit verteidigt, die Substanz sei durch verunreinigtes Fleisch in seinen Körper gelangt. Der Ansicht hatte sich vor einem Jahr der spanische Radsportverband angeschlossen: Am 5. Februar 2011 sprach er Contador frei.

Doch die UCI und die Welt-Anti-Dopingagentur Wada beriefen. Der damit zuständige CAS glaubte Contadors „Steak-Erklärung“ nicht, sperrte ihn für zwei Jahre bis 5.August 2012 und erkannte ihm zudem die Siege bei der Tour de France 2010 und beim Giro d'Italia 2011 ab.

„Das ist ein trauriger Tag für den Sport. Manche werden von einem Sieg reden, aber beim Thema Doping gibt es keine Gewinner“, sagte UCI-Chef Pat McQuaid.

Mit dem Urteil geht ein eigentümliches Verfahren zu Ende: Das positive Testergebnis wurde erst kommuniziert, als die Tour de France längst vorüber und Contador als Sieger gefeiert worden war. Dank des Freispruchs in Spanien konnte er im vergangenen Frühjahr beim Giro d'Italia starten und siegen. Und nach der Berufung von Wada und UCI wurde das Verfahren beim CAS erst bewusst spät anhängig, damit Contador auch an der Tour 2012 teilnehmen konnte.

Zuletzt war die Urteilsverkündung mehrmals verschoben und Richter Ephraim Barak Befangenheit vorgeworfen worden: Barak habe Contadors Team für Trainings in seine Heimat Israel gelotst. Und er habe einen Belastungszeugen nicht zugelassen.

Mit dem Urteil werden sich auch jene Contador-Kritiker bestätigt fühlen, die ihm seit Jahren Doping vorwerfen: 2008 wurde Contadors damaliges Team, Astana, von der Tour ausgeschlossen, weil es zuvor in Dopingskandale verwickelt war. Bereits seit 2006 behaupten spanische Medien, Contador habe als Kartei-Chiffre „A.C.“ zum Kundenkreis von Eufemiano Fuentes gezählt. Der Beweis dafür konnte aber nie erbracht werden.

 

Causa Ullrich: Urteil am Freitag?

Auf Fuentes' Kundenliste soll sich neben Contador und Ivan Basso auch der Deutsche Jan Ullrich wiedergefunden haben. Der Deutsche wartet im Gegensatz zu Contador noch immer auf sein CAS-Urteil. Dieses wird für kommenden Freitag erwartet. Auch im Fall Ullrich wurde das Ende des Dopingprozesses mehrmals nach hinten verschoben. Der mittlerweile 38-Jährige ist deshalb auch einigermaßen genervt. Die Situation sei nicht schön, er wolle „unter das Thema endlich einen Strich ziehen“, richtete Ullrich am Wochenende beim „Ball des Sports“ der Deutschen Sporthilfe in Wiesbaden aus. „Wenn endlich ein Urteil gefällt wird, beginnt für mich eine neue Epoche.“

Während für Ullrich ein neuer Lebensabschnitt beginnen könnte, droht dem deutschen Sport der nächste Dopingskandal: Dem Sportmediziner Andreas Franke wird vorgeworfen, in der Zeit von 2006 bis 2011 insgesamt 28 Athleten mit Eigenblut behandelt haben. Unter den Sportlern, an denen im Olympia-Stützpunkt Erfurt in Thüringen die verbotene Praktik angewandt wurde, sollen Olympiasieger, Welt- und Europameister sein. Der prominenteste Name lautet: Claudia Pechstein, Eisschnelllauf-Seriensiegerin.

Auf einen Blick

Alberto Contador (*6.Dezember 1982 in Madrid) gilt als einer der erfolgreichsten Radfahrer der Gegenwart. Weil 2010 im Blut des Spaniers das Kälbermastmittel Clenbuterol nachgewiesen wurde, verhängte der Internationale Sportgerichtshof eine zweijährige Sperre und erkannte ihm den Sieg bei der Tour de France 2010 und beim Giro d'Italia 2011 ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)