Ein bisschen Paris und anderswo

bisschen Paris anderswo
bisschen Paris anderswo(c) AP (Jacques Brinon)
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Der große Zeichner Sempé wird heuer 80. Das Pariser Rathaus stellt bis 31. März sein Lebenswerk aus.

Es ist ein Skandal sondergleichen, dass Jean-Jacques Sempé in der „Presse“ zum letzten Mal vor mehr als zweieinviertel Jahren Erwähnung fand. Zweieinviertel Jahre ohne Lobpreisung dieses Meisters des feinen Strichs, der zarten Geste, des genauen Blicks für die großen Kleinigkeiten und hauptsächlichen Nebensächlichkeiten des Lebens: eine Monstrosität sondergleichen! Wir finden, jede journalistische Befassung mit Ungetümen wie der „Europäischen Finanzstabilitätsfazilität“, der „Hacklerpension“ oder einer angeblichen politischen Partei namens „Behzettöh“ sollte per Verordnung einen Artikel über das Werk von Sempé nach sich ziehen. Denn wo wären wir nur ohne die Streiche seines „Petit Nicolas“, ohne die hochtrabenden Brasserie-Debatten von „Monsieur Lambert“ und seinen Kompagnons (Konnte Kopa sein Tor wirklich nur schießen, weil Fontaine so hart gerackert hat? Und was hat das mit der V. Republik zu tun?), ohne Raoul Taburin, den famosen Fahrradmechaniker mit dem dunklen Geheimnis?

Heuer im August wird Sempé 80 Jahre alt, und das hat die Stadt Paris zum Anlass genommen, ihm eine fast komplette Werkschau zu widmen. Sie ist noch bis zum 31.März im Pariser Rathaus zu sehen, und wer in den nächsten sieben Wochen einen Ausflug an die Seine plant, darf sich „Sempé, un peu de Paris et d'ailleurs“ keineswegs entgehen lassen.

„Ich denke, dass ich ein Humorzeichner bin“, hat Sempé seine Arbeit einmal beschrieben. „Und ich mag diese Idee sehr. Manchmal kommen Leute daher und sagen: ,Aber nein, das, was Sie machen, ist besser als humoristische Zeichnungen.‘ Bloß gibt es für mich nichts Besseres als die humoristische Zeichnung.“

Dem wollen wir, uns verneigend, zustimmen.

E-Mails an: oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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