In der fünften Kalenderwoche gab es in Wien 7900 Influenza-Erkrankungen. Experten rechnen aber mit einem Anstieg der Grippefälle.
Wien. Es geht ruhig zu im Wiener AKH – zumindest, was die Influenza-Erkrankungen betrifft. Nur einige wenige Menschen seien bisher wegen Influenza eingeliefert worden. Von einer Grippewelle ist man deshalb nicht nur im AKH weit entfernt. Auch in anderen Spitälern gibt es (noch) keinen vermehrten Anstieg der Fälle.
„Heuer sind wir sichtlich spät dran. Normalerweise haben wir um diese Zeit die Spitzen schon hinter uns“, sagt Susanne Drapalik vom Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV). Solche jährlichen Schwankungen sind aber üblich.
Laut Hochrechnung des Wiener Grippemeldesystems der MA15 gab es in der fünften Kalenderwoche 7900 Influenza-Erkrankungen – von einer Influenza-Welle spricht man erst ab 10.000. „Es ist relativ ruhig, und man weiß auch nicht, ob es heuer überhaupt zu einer Grippewelle kommt“, heißt es bei der MA 15.
Neue Grippe lässt nach
Vernachlässigbar dürften die Infektionen mit dem A(H1N1)-Virus sein, das auch für die als Schweinegrippe bezeichnete Neue Grippe verantwortlich ist. Waldemar Malinowski, Leiter des Impfservice der MA15, macht dafür die hohe Durchimpfungsrate verantwortlich. Diese könnte auch der Grund für die relativ wenigen Erkrankungen „normaler“ Influenza-Viren sein – ebenso wie das bis vor Kurzem noch recht milde Wetter und die wirtschaftliche Lage. „Die Menschen reisen weniger, also kann auch weniger übertragen werden“, sagt Malinowski.
Er hält wegen der aktuellen Kälte eine Grippe-Epidemie für durchaus denkbar. Hat man einmal Kontakt mit einem Grippekranken dauert es zwischen vier Stunden und vier Tagen, bis die Erkrankung ausbricht. Eine Impfung, die innerhalb von zehn Tagen wirkt, hilft da also nur vorbeugend.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)