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Außenseiter unter sich

Gaddafi, Hussein und nun Kadyrow - jenseitige FPÖ-Trips haben Tradition.

In der Wiener FPÖ-Zentrale wusste man von nichts. Ja, Johann Gudenus, Straches Statthalter in Wien, sei zwar in Moskau, aber nein, in Tschetschenien sei er nicht. Zur selben Zeit rühmte sich der Machthaber der russischen Teilrepublik, der berühmt-berüchtigte Ramsan Kadyrow, auf seiner Homepage bereits damit, was er den Gästen aus Österreich alles gezeigt habe.

Nun ist es zwar nicht verboten, sich mit übel beleumundeten Potentaten zu treffen, die Optik ist allerdings verheerend: 2009 war in Wien ein tschetschenischer Regimekritiker erschossen worden – drei Männer wurden verurteilt, die im Auftrag der tschetschenischen Führung gehandelt haben sollen. Und mit dieser ist die FPÖ-Delegation nun „einer Meinung“ (Zitat Gudenus), was die Rückführung tschetschenischer Asylwerber aus Österreich betrifft?

Was freiheitliche Politiker antreibt, sich mit Leuten vom Schlage eines Ramsan Kadyrow oder wie in der Vergangenheit mit Saddam Hussein und Muammar Gaddafi gemein zu machen, weiß man nicht so genau. Möglicherweise liegt es daran, dass man sich selbst als verfemter Außenseiter fühlt und sich dann eben gern mit Gleichgesinnten trifft.

Bei Ramsan Kadyrow sind sie immerhin in „bester“ Gesellschaft: Schon Diego Maradona, Lothar Matthäus, Kevin Costner oder Hilary Swank ließen sich von ihm nach Grosny locken – und spielten sein Spiel bereitwillig mit.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)