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150 Jahre "Greenback": Geburt einer Weltwährung

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(c) Reuters (Lee Jae Won)
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Bis zur Einführung einer einheitlichen Währung im Jahr 1862 wurde Geld in Amerika unkontrolliert ausgegeben. Wie es zum "Greenback" kam.

Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts wagte der Schotte John Law ("Der Erfinder des Papiergelds: Mörder und Finanzgenie") sein berühmtes Papiergeld-Experiment, das letztlich in einem Desaster endete. Das entscheidende Kapitel der Papiergeldgeschichte wurde aber wo anders geschrieben: in den USA. Bevor es so weit war, stieg dort Tabak zum wichtigsten Geld der Kolonien und in Maryland sogar zum gesetzlichen Zahlungsmittel auf. Seit 1792 gab es dann den amerikanischen Dollar. Aber erst im Zuge des US-Bürgerkriegs (1861-1865) wurde vor 150 Jahren mit den "Greenbacks", den Geldscheinen der Nordstaaten, eine einheitliche Währung geschaffen, die unaufhaltsam zur Weltwährung aufstieg.

"Not worth a continental"

Die von den britischen Kolonialherren verfügte Steuerlast stieg im Amerika des 18. Jahrhundert jedenfalls ständig. "Je knapper Edelmetall - und damit Geld - in Amerika wurde, besonders auch für die Soldzahlungen, desto dringlicher wurde das Verlangen nach Unabhängigkeit von Großbritannien. Zeitweilig dienten sogar in Stücke geschnittene Spielkarten als Geldersatz", schreibt Klaus W. Bender in seinem Buch "Geldmacher: Das geheimste Gewerbe der Welt". Die amerikanischen Kolonien forderten mehr Freiheit beim Druck von Papiergeld, doch Großbritannien verweigerte das. Das führte 1775 zum Unabhängigkeitskrieg.

Die Unabhängigkeit wurde gewonnen, von einer Stabilität des Geldwerts war man aber so weit entfernt wie vorher. Um die Revolutionsarmee zu finanzieren, wurden große Mengen Papiergeld des "Continental", der neuen Währung der Kolonien, ausgegeben. Die Briten brachten zudem Unmengen Falschgeld in Umlauf und trugen damit zu einem Phänomen bei, das auch heute immer wieder durch die Medien geistert: Hyperinflation. Der Spruch "Not worth a continental" für etwas Wertloses hat in den USA übrigens bis heute Gültigkeit.

Die "Wildkatzen-Banken"

Jahrzehntelang blieb Geldwertstabilität ein Wunschtraum. Tausende Banken, sogenannte "Wildcat Banks", gaben unkontrolliert und ohne Edelmetall-Deckung Papiergeld aus, Falschgeld erlebte eine wahre Boomzeit. Diese Banken waren im wahrsten Sinne des Wortes an Orten angesiedelt, wo es mehr Wildkatzen als Menschen gab. Rund 7000 verschiedene Banknoten wurden so ausgegeben. Einer Umlaufsumme von 648.000 Dollar standen nur 86 Silberdollar als Deckung gegenüber, schreibt darüber Erik Eybl in seinem Buch "Von der Eule zum Euro. Nicht nur eine österreichische Geldgeschichte".

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts tobte schließlich ein Streit darüber, ob der Staat die Ausgabe von Papiergeld zentralisieren und eine Garantie über dessen Wert übernehmen sollte. Erst 1862 wurde mit dem "Legal Tender Act" alles anders. Dieses Gesetz, das im Parlament mit 93 zu 59 Stimmen abgesegnet wurde, verfügte am 28. Februar 1862 die Einführung einheitlicher nationaler Banknoten. Herausgeben durfte diese nur mehr das "Department of the Treasury", das Schatzamt. Die Regierung der Nordstaaten finanzierte damit ihren Bürgerkrieg (1861-1865) gegen die Südstaaten.

"Greenback" so wichtig wie Ende der Sklaverei

Es war zugleich die Geburtsstunde des "Greenback" (Laubfrosch) - auch "United States Note" genannt - der nach der grünen Farbe auf der Rückseite der Dollar-Noten benannt wurde. Die neuen Scheine waren schwerer zu fälschen und trugen das Siegel des Finanzministeriums. Sie waren nicht durch Gold gedeckt und erhielten den Aufdruck: "This Note is a Legal Tender". Das machte sie zum gesetzlichen Zahlungsmittel.  Die United States Note war bis 1971 im Umlauf, ehe sie endgültig durch die Federal Reserve Notes abgelöst wurde.

Die neue Währung war allerdings nicht unumstritten, wie selbst der legendäre ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan in seinen Erinnerungen "Mein Leben für die Wirtschaft" schreibt: "Papiergeld, das aufgrund staatlicher Verordnungen gedruckt wird, hatte einen schlechten Ruf". Doch der damalige Finanzminister Salmon P. Chase zeigte sich 1863 anlässlich der Unterzeichnung des "National Banking Act" davon überzeugt, dass mit der Schaffung einer einheitlichen Währung eine Innovation "von vielleicht dem selben Wert wie der Abschaffung der Sklaverei" gelungen sei.

"Greyback" das größere Übel

Die Vereinheitlichung der US-Währung verlief durchwegs nicht so harmonisch, wie das klingen mag. Im Gegenteil: Es war eine chaotische Zeit. Und der "Greenback" der Nordstaaten der USA war auf den ersten Blick keine echte Erfolgsgeschichte - im Vergleich zum "Greyback" der Südstaaten aber schon: "Bei Kriegsende war der 'Greenback'-Dollar der Union noch fünfzig Cent in Gold wert, während der 'Greyback'-Dollar der Konföderation, trotz des Versuchs einer Währungsreform im Jahr 1864, gerade einmal einen Cent wert war", schreibt der populäre britische Historiker Niall Ferguson in seinem Buch "Der Aufstieg des Geldes".

"Die Preise im Süden stiegen während des Bürgerkriegs um rund 4000 Prozent. Im Norden stiegen sie dagegen nur um sechzig Prozent", heißt es bei Ferguson weiter. Noch vor der Kapitulation der Armee brach die Wirtschaft der Südstaaten zusammen. Sein Schluss: "Hyperinflation erwies sich als Vorzeichen der Niederlage". Dennoch wollte gegen Ende des Bürgerkriegs auch im Norden keiner mehr freiwillig "Greenbacks" annehmen. Eine Flucht in Sachwerte war die Folge.

Der Dollar wird an Gold gebunden

Angesichts des desaströsen Zustands des "Greenbacks" versuchte die Regierung ab 1865 die Geldscheine nach und nach wieder aus dem Verkehr zu ziehen. Damit setzte eine Verknappung des Geldes ein, was vor allem die Farmer hart traf.

1868 wurde das Einziehen der "Greenbacks" mit einem eigenen Gesetz wieder gestoppt, die Geldmenge wurde fixiert. Diese mangelnde Flexibilität, gepaart mit einer durch eine Deflation ausgelösten schwachen Konjunktur führte 1873 allerdings zu Panik und am 19. September an der New Yorker Börse zum "Schwarzen Freitag". 1879 wurde der Dollar schließlich an Gold gebunden, ehe diese Goldbindung 1931 in Folge der Großen Depression aufgehoben wurde. 1944 erlebte der Goldstandard mit dem Abkommen von Bretton Woods noch einmal ein Wiederauferstehung, ehe er 1971 endgültig fiel.

DiePresse.com nimmt das Jubiläum "150 Jahre Greenback" in den folgenden Wochen zum Anlass für einen Dollar-Schwerpunkt. Am Donnerstag gibt DiePresse.com einen Einblick in die Welt der Verschwörungstheorien rund um die Weltwährung.