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Bildungsarmut: Migranten stark betroffen

Bildungsarmut Migranten stark betroffen
(c) FABRY Clemens
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Das Risiko zum Schulabbruch für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist 6,5-mal so hoch wie für Jugendliche mit österreichischen Eltern. Grüne, IHS und auch die OECD fordern Maßnahmen.

Wien/Thea. Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund sind in Österreich überproportional oft von Bildungsarmut betroffen. Diese Ansicht teilten nicht nur Grünen-Integrationssprecherin Alev Korun und IHS-Bildungsexperte Mario Steiner bei einem Pressegespräch in der vergangenen Woche. Auch die OECD hat in einem aktuellen Bericht erneut darauf hingewiesen, dass die Bildungslaufbahn in Österreich überdurchschnittlich stark vom sozialen Hintergrund abhängt.

So gebe es in Österreich zwar insgesamt relativ wenige Schüler, die das Schulsystem vorzeitig verlassen (8,3Prozent). Doch sei das Risiko zum Schulabbruch für Jugendliche mit Migrationshintergrund 6,5-mal so hoch wie für Jugendliche mit österreichischen Eltern, so Steiner.

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Die Gründe seien vielfältig, sie reichen von Orientierungslosigkeit wegen mangelnder Berufsinformation bis zu einem schlechten Selbstbewusstsein aufgrund sogenannter Selektionserfahrungen – etwa Klassenwiederholungen. Auch das war ein Kritikpunkte der OECD-Studie: Sie empfiehlt Österreich die Abschaffung des Sitzenbleibens.

 

Unterschiedliche Indikatoren

Allerdings dürfe nicht der Fehler gemacht werden, Bildungsarmut nur an der Zahl der vorzeitigen Schulabbrüche zu messen: Der geringe Prozentsatz von 8,3Prozent an „Early School Leavers“ würde „Österreich mehr schmeicheln, als es den realen Tatsachen geschuldet wäre“, so der IHS-Bildungsexperte. Ziehe man etwa die Risikoschüler bei PISA – also jene Schüler, die mit einfachsten Lese- und Rechenaufgaben Probleme haben – als Indikator heran, zeige sich mit einer Gruppe von 27,5Prozent ein ganz anderes Bild. Wenngleich „wichtige Angebote“ für Jugendliche mit Migrationshintergrund bereits bestehen würden, kritisiert Steiner vor allem das Fehlen einer umfassenden politischen Strategie in diesem Bereich.

Alev Korun fordert von der Regierung ein Maßnahmenpaket: verstärkte Bildungs- und Berufsberatung, die Einführung der gemeinsamen Schule der Sechs- bis 15-Jährigen, die Abschaffung der Sonderschulen und eine zweijährige Kindergartenpflicht für alle Kinder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2012)