Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Hallo, Baby, soll ich dir mein Weltkulturerbe zeigen?

Hallo Baby soll mein
(c) Www.BilderBox.com
  • Drucken

Ich finde, alte Damen, die im Kaffeehaus ihre Pelzhauben nicht abnehmen, um sich die Frisuren nicht zu zerstören, sollten zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt werden.

Ich finde, alte Damen, die im Kaffeehaus ihre Pelzhauben nicht abnehmen, um sich die Frisuren nicht zu zerstören, sollten zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt werden.“ Mit diesem Satz leitete kürzlich ein alter Freund, der für eine scharfe Beobachtungsgabe seiner Umgebung bekannt ist, ein assoziatives Feuerwerk potenzieller Erben unserer Kultur ein. Schnell fielen etwa die lila getönten Haare, die sich immer wieder unter den Pelzhauben verbergen – hinter diesem Phänomen verbergen sich übrigens angeblich „Silberfestiger“, die den Haaren den Gelbstich nehmen sollen und bei zu exzessivem Gebrauch eben für einen violetten Effekt sorgen. Aber auch Körperhaltungen sollten als kulturelles Erbe festgeschrieben werden können – dass etwa besagte Dame mit spitzen Fingern eine Kaffeetasse hält. Heutzutage kann man ja seinen Coffee-to-go-Kübel sogar mit einer grobschlächtigen Pranke leicht umfassen.

Dass jemand mit zugekniffenem Auge, leicht vorgebeugt und hoch konzentriert durch den Sucher eines Fotoapparats schaut, das gibt es im iPhone-Zeitalter, in dem man den Arm mit dem Display einen halben Meter von sich streckt, ebenfalls kaum noch. Also auch gleich auf die Liste damit. Genauso wie – die Jüngeren kannten es nicht mehr – das reflexhafte Drücken das Zahlknopfs in öffentlichen Telefonzellen, sobald die Verbindung steht. Wobei, vermutlich gibt es das auf dem iPhone ohnehin schon als App...

Und schließlich sollte man auch noch die Durchsagen in Einkaufszentren und Supermärkten schützen, die an Deutlichkeit nichts offen lassen: „Frau Maierhofer, bitte 13!“ Wunderbar und schützenswert, oder? Übrigens – ein Code dürfte tatsächlich Allgemeingültigkeit haben: „Auf 17 gehen“ gilt als humoristische Umschreibung des Gangs zur Toilette. Details dazu ersparen wir uns jetzt lieber – auch, wenn die Frage naheliegt, ob ein großes Geschäft vielleicht 18 wäre...

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2012)