Steinhofgründe: Zuerst auskotzen, dann Eis brechen

Steinhofgruende Vorspiel Mediation Zuerst
Steinhofgruende Vorspiel Mediation Zuerst(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Johannes Gotsmy und Alexander Neumann sind geduldige Menschen. Die beiden Mediatoren sollen in einem besonders heiklen Fall vermitteln: bei der Frage nach der Zukunft der Steinhofgründe.

Wien. Johannes Gotsmy und Alexander Neumann sind geduldige Menschen. Das müssen sie auch sein, immerhin sollen die beiden Mediatoren in einem besonders heiklen Fall vermitteln: bei der Frage nach der Zukunft der Steinhofgründe. Der frühere Jurist und der einstige Bautechniker sind öffentliche Mediationen gewohnt, zuletzt haben sie das Verfahren beim Bacherpark geleitet.

Jetzt leiten sie (auch offiziell) das Mediationsverfahren der Steinhofgründe. Wobei man sich derzeit noch in der Vorbereitungsphase befindet. Die Bürgerinitiative, die gegen die Bebauung des Areals beim Otto-Wagner-Spital ist – und deren Mitwirken für Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou zum Vorzeigebeispiel der Bürgerbeteiligung werden soll –, hat nämlich zuvor die Klärung einiger Fragen verlangt. Etwa nach den Besitzverhältnissen des Areals, dem Vorgang bei der Ausschreibung und den Verträgen der Firmen Gesiba und Vamed. Zur Erinnerung: Die Wohnungspläne der Gesiba wurden von Bürgermeister Michael Häupl zurückgepfiffen, die Vamed baut ihr Reha-Zentrum seit Sommer 2011.

Derzeit befindet man sich also noch in der Prämediationsphase – beziehungsweise kurz davor. Mitte dieser Woche sollen erste Termine für die Klärung dieser Fragen bekannt gegeben werden.

Ende für Wortklauberei

Das ist auch jene Phase, in der die verschiedenen Teilnehmer erstmals an einem Tisch sitzen und – wenn alles gut geht – gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Auch wenn dieses vorerst lediglich lautet: die Festlegung der Rahmenbedingungen. „Das ist die Phase, in der sich die verschiedenen Parteien auch einfach auskotzen“, sagt Neumann. Die zwei Mediatoren, die sich zur Allparteilichkeit verpflichtet haben, sind dabei lediglich dem Vorankommen des Verfahrens verpflichtet.

„Jede Partei hat Positionen, zum Beispiel keine Wohnungen. Man muss aber weg von diesen Positionen und sich die Interessen dahinter anschauen“, sagt Gotsmy. Das kann zum Beispiel Ruhe, Naturschutz oder die öffentliche Zugänglichkeit des Areals sein. Erst dann, wenn man gemeinsam über die Interessen spricht, könne man zu einer Lösung kommen.

Und dabei geht es oft auch um Wortklauberei. Bei der Festlegung der Rahmenbedingungen kann es schon einmal passieren, dass stundenlang über Formulierungen gesprochen wird. „Die Formulierungen dürfen keine Beschuldigungen enthalten. Das ist die Königsdisziplin der Mediation“, sagt Gotsmy. Das kann bei den Steinhofgründen schwierig werden. Immerhin ist die Wortwahl der Gegner – angeheizt durch die Kampagne der „Kronen Zeitung“ – entsprechend griffig. Von „Luxuswohnungen für Politgünstlinge“ sprechen die einen, vom „sozialen Wohnbau“ die anderen.

Konsens statt Kompromiss

Die Emotionen müssen also nicht nur raus aus der Sprache. Die gemeinsame Klärung der Rahmenbedingungen ist oft auch jene Phase, in der das Eis gebrochen wird und in der der gegenseitige Respekt wieder zurückkehrt. Immerhin ist das die erste gemeinsame Entscheidung. Danach geht es um die Inhalte, die in Arbeitsgruppen diskutiert werden. Wie lange man für eine gemeinsame Lösung braucht, ist von Fall zu Fall verschieden. „Es gibt keine Kompromisslösungen. Das ist kein Kuhhandel, es gibt hier ausschließlich Konsenslösungen“, sagt Neumann. Und die scheinen aus jetziger Sicht noch etwas Zeit zu brauchen.

Auf einen Blick

Mediatoren sollen zwischen den Fronten bei der Frage nach der Zukunft des Otto-Wagner-Areals vermitteln. Die Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Bebauung, die Gesiba musste deshalb ihr Wohnprojekt auf Eis legen, die Vamed baut ein Reha-Zentrum.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2012)

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