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Felber: Der Traum vom globalen Ressourcensowjet

(c) FABRY Clemens
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Buchbesprechung: Christian Felber lockt seine Leser mit angeblich neuen und "alternativen" Ideen, setzt ihnen aber aufgewärmte Inflationsstrategien vor.

Nicht nur Christian Felbers neues Buch „Retten wir den Euro“, sondern seine ganze Karriere als Attac-Aktivist und „Wirtschaftsexperte“ basieren auf einem Irrtum. Jenem, dass „die Märkte“ und „die Wirtschaft“ etwas seien, dass es zu regeln und zu planen gilt – zum Wohle aller und am besten von Felber persönlich.

Sein neues Buch liest sich wie das Bewerbungsschreiben für einen Posten im Politbüro einer noch zu errichtenden globalen Planwirtschaft. Dabei ist Felbers Zusammenfassung der bisherigen Aktivitäten zur „Rettung des Euro“– bei denen europäisches und nationales Recht gebrochen und die Demokratie in Europa in ernste Gefahr gebracht wurde – durchaus informativ und schonungslos. „Die EU nimmt Kurs auf eine autoritäre Plutokratie“, schreibt er. Auch die Konstruktion des Euro begeistert Felber wenig: „Der Euro führt in den Bürgerkrieg, wenn die Mitgliedstaaten weiterhin Handelskrieg führen.“

Der Titel des Buches ist insofern irreführend. Von der Rückkehr zu nationalen Währungen bis zur Spaltung des Euro und der Einführung von Regionalgeld spielt Felber Euro-Alternativen durch. Die ultimative Lösung sieht er aber in der Einführung einer Weltwährung, wie sie schon John Maynard Keynes 1944 angeregt hat. Felber meint, dass Keynes' Plan im Gegensatz zum Euro „tatsächlich ein– globales – Friedensprojekt“ wäre, erklärt aber nicht wieso.

Globale Steuerung

Überhaupt fordert der „Globalisierungkritiker“ Felber ständig nach der globalen Wirtschaftssteuerung. Er kritisiert zwar die „neoliberale“ EU und die „neoliberale“ Globalisierung, fordert aber ohne Not eine „globale Fusionskontrolle“, eine „Weltfinanzaufsicht“, ein „globales Gericht“ und „globale Steuerpflichten“. Mehr Steuern und mehr Regeln, am besten global, lautet das Programm von Christian Felber. Folgerichtig schwärmt er geradezu von seiner Entdeckung, dass die Privatvermögen in Europa die Staatsschulden bei Weitem übersteigen, und fordert: Finanztransaktionssteuer, Vermögensteuer, Kapitalertragsteuer und Mindest-Körperschaftssteuer als EU-weite Sofortmaßnahmen, um diese Vermögen zugunsten der Staatsschulden abzuschöpfen.

Weder sind die von Felber vorgebrachten Ideen „alternativ“, noch sind sie neu. Seine Konzepte zur Staatsfinanzierung würden bloß zur Beschleunigung der seit Jahrzehnten populären inflationistischen Geldpolitik führen. Wie Keynesianer und Neoliberale (Monetaristen) glaubt Felber offenbar, dass Gott am ersten Tag die Erde, am zweiten die Menschen und am dritten die Zentralbanken erschaffen hat. Diese Einstellung zeigt weitreichende Ignoranz für das Wesen des Geldes als universelles Tauschgut, das auf dem Markt entstanden und nach und nach von Staaten vereinnahmt und verfälscht wurde. Eine Analyse, die diesen Umstand nicht wahrnimmt, muss unvollständig bleiben.

Felbers ökonomische Verwirrung zeigt sich auch in der irrwitzigen Forderung nach der Festlegung der globalen Rohstoffpreise durch „einen Ressourcenrat der UNO“. Preiskontrollen haben noch nie funktioniert, noch nicht einmal lokal – sie führen lediglich zu Mangel und einem florierenden Schwarzmarkt. Aber der globale Ressourcensowjet ist nur eine von Felbers Ideen für die Zukunft. Er will außerdem: Investmentfonds verbieten und die Börsen abschaffen. Das brennendste Problem der Gegenwart wäre so automatisch gelöst, meint Felber: „Ohne Märkte kein Rating“.

Zur Person

Christian Felber wurde am 9.Dezember 1972 in Salzburg geboren. Er studierte romanische Sprachen und Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie in Wien und Madrid. Felber ist ein Gründungsmitglied der Organisation Attac, die eine Finanztransaktionssteuer fordert. Seit 2010 bewirbt Christian Felber ein sozialistisches Wirtschaftsmodell, das er „Gemeinwohl-Ökonomie“ nennt. [Lukas Ilgner / picturedesk.com]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2012)