Bundestheater: Reserven auflösen, höhere Preise

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Holding-Chef Georg Springer berichtete von einem Jahresverlust in der Bilanz. Bis Ende Juni muss ein Sparplan vorliegen. Die Bundestheater weisen 2010/11 einen Jahresverlust von 2,3 Millionen Euro aus.

„Die Bundestheater im Stresstest“, nannte Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, seinen Rückblick auf das Geschäftsjahr 2010/11. Sein Konzern habe die „harten Prüfungen“ bestanden, versicherte Springer: „Wir sind entstresst.“

Zum Stress hat wohl beigetragen, dass Wirtschaftsprüfer im Herbst 2011 bei den Bundestheatern (Staatsoper, Burgtheater, Volksoper) ein „Optimierungspotenzial“ von 12,4 Millionen Euro orteten. Darauf wurde Springer, dessen Vertrag 2011 bis 2014 verlängert wurde, von Kulturministerin Claudia Schmied beauftragt, einen Maßnahmenkatalog zu erstellen. Dieser sei in Arbeit, sagt Springer nun: „Zahlen kann ich Ihnen aber keine bieten.“ Eines sei klar: „Unmögliches kann nicht verlangt werden.“ Das künstlerische Angebot soll weder quantitativ noch qualitativ verringert werden. Bis Saisonende soll das „Finanzierungskonzept bis 2015“ vorliegen. Die Karten sollen jedenfalls bis 2015 teurer werden, die Abonnements auch, aber nicht sofort, um Stornierungen zu vermeiden.

Die Bundestheater weisen 2010/11 einen Jahresverlust von 2,3 Millionen Euro aus, erreichten aber dank Reserven aus Vorjahren einen Bilanzgewinn von 1,8 Millionen. Weitere Rücklagen von 4,9 Millionen sind zwar vorhanden, werden aber bald aufgebraucht sein, warnt Springer. Die Personalkosten sind 2010/11 gestiegen, so gab es einen neuen Kollektivvertrag für das Staatsopernorchester. Wie im öffentlichen Dienst sollen auch bei den Theatern die Löhne um etwa drei Prozent erhöht werden. Die Personalkosten liegen mit 165,9 Millionen Euro indes deutlich über der Subvention von 144,4 Millionen, betonte Springer. Die Erhöhung der Basisabgeltung sei seit 1999/2000 unter der Inflationsrate geblieben. Durch das Auslaufen des Sponsoring für den „Ring des Nibelungen“ war der von Sponsoren aufgebrachte Beitrag mit 4,2 Millionen Euro so gering wie seit drei Jahren nicht.

 

Staatsoper bleibt das Zugpferd

Es gibt aus Springers Sicht auch Positives zu berichten: Die Zahl der Vorstellungen an allen Spielstätten zusammen sei mit 1527 so hoch wie nie. Die Sitzplatzauslastung in der Staatsoper erreicht rekordverdächtige 98,33 Prozent (exklusive Matineen). Überhaupt bleibt die Staatsoper das Zugpferd der Bundestheater: Auf sie entfallen 585.006 der 1.288.333 Besucher, auf die Burg 399.986, auf die Volksoper 303.341.

Die Gesamtbesucherzahl ist allerdings gegenüber der Saison 2009/10 von 1.300.601 auf 1.288.333 leicht zurückgegangen. Verantwortlich dafür ist vor allem die Volksoper mit einem Minus von 3,6 Prozent. Doch auch in den Spielstätten des Burgtheaters ist die Auslastung der Sitzplätze von 88,6 auf 84,6 Prozent gefallen. sig

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2012)