Notare sollen Immobiliensteuer für Klienten abführen

Notare sollen Immobiliensteuer fuer
Notare sollen Immobiliensteuer fuer(c) FABRY Clemens
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Nur schwer lässt sich prognostizieren, wie viele Euro die neue Immobiliensteuer ins Budget spülen wird. Bis zu 500 Millionen pro Jahr könnten aber drin sein. Doch die Regierung rechnet mit noch mehr.

Wien. Wer durch Immobilien Geld lukriert, wird ab April stärker zur Kasse gebeten. So fällt die Spekulationsfrist, ab April muss man auch dann zahlen, wenn man eine Immobilie bereits zehn Jahre oder länger besessen hat. Und für umgewidmeten Grund gibt es noch einmal verschärfte Steuerregeln. Die Regierung erwartet sich dadurch hohe Gewinne. Für das Jahr 2013 rechnet man bereits mit 350 Millionen Euro, für 2016 gar mit 750 Millionen Euro.

Doch niemand kann seriös sagen, wie viel die Steuer tatsächlich abwerfen wird. Schließlich kann man nicht prognostizieren, wie viele Leute ihre Immobilien nun verkaufen werden. In der Vergangenheit war es durchwegs üblich, zehn Jahre zwischen Kauf und Verkauf abzuwarten, um keine Steuer zahlen zu müssen. Dieser Anreiz fällt nun weg. Zudem soll es laut Branchenexperten Leute geben, die es mit der Ehrlichkeit nicht so genau nahmen. Bisher musste man etwa selbst in der Einkommensteuererklärung angeben, wenn man aus einem Immobilienverkauf Gewinn lukriert hat.

Prognosen „Kaffeesudleserei“

Karl Bruckner, Geschäftsführer der BDO Austria Gruppe und Vorsitzender des Fachsenats für Steuerrecht in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, hält die Prognose der Regierung für „Kaffeesudlesen“. Ganz abwegig seien aber zumindest die Zahlen für die ersten Jahre nicht, betont Bruckner im Gespräch mit der „Presse“. Orientieren könne man sich nämlich an den Zahlen der Grunderwerbsteuer. Aus dieser lasse sich errechnen, dass 25 Milliarden Euro an Immobilienwerten pro Jahr den Eigentümer wechseln. Daraus wiederum lasse sich abschätzen, dass die neue Immobiliensteuer bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr bringen könnte, meint Bruckner. Mit diesem Wert rechnet die Regierung etwa im Jahr 2015. Wieso die Regierung allerdings für das darauf folgende Jahr mit 750 Millionen Euro rechnet, ist für den Experten nicht nachvollziehbar. Das Finanzministerium machte bisher keine Angaben, mit wie vielen Steuerfällen man in den nächsten Jahren bei Immobilien rechnet.

Dafür will die Regierung die Notare und Anwälte verpflichten, dass sie beim Verkauf sogenannter Altliegenschaften gleich die Steuer für ihre Klienten abführen. Damit könnte das Geld nicht am Fiskus vorbeigeschleust werden. Für Immobilien, die vor dem 1.April 2002 gekauft und nun verkauft werden, müssen künftig 3,5Prozent des Verkaufspreises an den Staat überwiesen werden. Für umgewidmete Liegenschaften werden 15Prozent des Verkaufspreises schlagend.

Bei erst nach dem 1.April 2002 gekauften Immobilien ist die Gewinnspanne zwischen Kauf und Verkauf relevant. Davon sind 25 Prozent (vom Verkäufer selbst) an den Staat zu entrichten. Wenn man eine Immobilie durch Erbschaft erhält, ist relevant, wann und zu welchem Preis der Verblichene die Liegenschaft einst erstanden hat. Das war aber auch bisher schon so.

Die neuen Regeln sind aber nicht für alle ein Nachteil. Da ein Verkaufsgewinn bisher zur Einkommensteuer dazugerechnet wurde, gab es Leute, die vom Verkaufserlös 50Prozent Steuer zahlen mussten. Sie sind die Gewinner der Reform.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2012)

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